Programm

Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten! 

222. Veranstaltung: Freitag, 2. Juli 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Al’Andaluz – Musik aus drei Kulturen. Sephardische, christliche und muslimische Lieder der iberischen Halbinsel.

Maria Jonas (Köln) – Gesang, Shutibox; Thomas Friedlaender – arabische Trompete, Schlagwerk, Glocken

Tres Morillas, drei Maurinnen, begegnen einem stolzen spanischen Ritter und sie beginnen ein Flirt…

Dieses Lied beschreibt anschaulich die „convivencia“ (Koexistenz) zwischen Muslimen und Christen auf der iberischen Halbinsel während der 800jährigen Herrschaft der Mauren – und es ist nicht das einzige dieser Art. Das Lied aus dem Cancionero de Palacio (15./16. Jahrhundert) stammt sogar aus einer Zeit, in der das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen längst Geschichte war! Im Jahre 1492 standen Juden und Muslime vor der Wahl zum Christentum zu konvertieren, durch die Inquisition verfolgt und hingerichtet zu werden oder zu flüchten. Viele der so Verfolgten flüchteten in die Anrainerstaaten rund um das Mittelmeer, die vorwiegend muslimisch waren, aber auch die Juden willkommen hießen.

Uns interessiert in diesem Programm aber vor allem die Zeit der „convivencia“ der drei Religionen, in der auf der iberischen Halbinsel eine Hochkultur entstand, die bis heute in Europa lebendig ist. Denn wer weiß schon, dass z.B. die bis heute wohlbekannte Liedform mit Kehrreim in der Mitte des 10. Jahrhunderts in der Nähe von Sevilla unter jüdischem und muslimischen Einfluss erfunden worden ist? www.maria-jonas.de


223. Veranstaltung: Freitag, 23. Juli 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen, BWV 988

Jan Katzschke – Cembalo

Dauer am 23.7.2021: jeweils 90 Minuten, ohne Pause.

Zwei Gifpelwerke Bach’scher Tonkunst können unmittelbar mit Dresden in Verbindung gebracht werden: Neben der Messe in h-moll betrifft dies vor allem die ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen BWV 988, gedruckt 1741, die später unter dem Namen  „Goldberg-Variatonen“ bekannt werden sollte.

Johann Gottlieb Goldberg, höchst begabter Schüler J.S. Bachs in Leipzig und Wilhelm Friedemann Bachs in Dresden, stand in Diensten des kunstliebenden und Bach stets wohlgesonnenen Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, der als Russischer Gesandter am Dresdner Hof lebte. Einer Anekdote zufolge ließ sich der Graf das Werk von Goldberg in schlaflosen Nächten vorspielen. 

Obwohl der Titel das Werk eindeutig dem Cembalo zuweist, wurde es im 20. Jahrhundert vor allem als bravouröses Virtuosenstück auf dem modernen Klavier bekannt. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte um Goldberg und Keyserlingk wurde oft angezweifelt, doch wie dem auch sei: Eigentlich aufschlußreich ist aus Sicht des Dresdner Cembalisten Jan Katzschke ihre indirekte Anspielung auf den Charakter des Werkes, in welchem Virtuosität höchstens Nebenprodukt einer tiefsinnigen Erforschung der Wandlungsfähigkeit von Musik im Allgemeinen ist. Im eher intimen, kontrapunktischen Konversationston gleicht das Spielen und Hören des monumentalen Werkes in der Lesart von Jan Katzschke vielmehr der Lektüre eines überaus kostbaren Lieblingsbuches zu stiller Stunde.

Programm:

Clavier Übung bestehend in einer
ARIA
mit verschiedenen Veraenderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen
Denen Liebhabern zur Gemüths-Ergetzung verfertiget von
Johann Sebastian Bach

ARIA

VARIATIO 1 a 1 Clav.
VARIATIO 2 a 1 Clav.
VARIATIO 3 a 1 Clav.

VARIATIO 4 a 1 Clav.
VARIATIO 5 a 1 ovvero 2 Clav.
VARIATIO 6 a 1 Clav. Canone alla Seconda

VARIATIO 7 a 1 ovvero 2 Clav. al tempo di Giga
VARIATIO 8 a 2 Clav.
VARIATIO 9 a 1 Clav. Canone alla Terza

VARIATIO 10 a 1 Clav. Fughetta
VARIATIO 11 a 2 Clav.
VARIATIO 12 Canone alla Quarta

VARIATIO 13 a 2 Clav.
VARIATIO 14 a 2 Clav.
VARIATIO 15 a 1 Clav. Canone alla Quinta Andante

VARIATIO 16 a 1 Clav. Ouverture
VARIATIO 17 a 2 Clav.
VARIATIO 18 a 1 Clav. Canone alla Sesta

VARIATIO 19 a 1 Clav
VARIATIO 20 a 2 Clav.
VARIATIO 21 Canone alla Settima

VARIATIO 22 a 1 Clav.
VARIATIO 23 a 2 Clav.
VARIATIO 24 a 1 Clav. Canone all’Ottava

VARIATIO 25 a 2 Clav. adagio
VARIATIO 26 a 2 Clav.
VARIATIO 27 a 2 Clav. Canone alla Nona

VARIATIO 28 a 2 Clav.
VARIATIO 29 a 1 ovvero 2 Clav.
VARIATIO 30 a 1 Clav. Quodlibet

ARIA

Jan Katzschke konzertiert international als Solist und Kammermusiker auf Orgel, Cembalo und Clavichord. Seine CD-Aufnahmen sind preisgekrönt. Im Mittelpunkt seines vielseitigen Repertoires stehen die großen Werkzyklen Johann Sebastian Bachs, die er dem Publikum auch in Werkeinführungen nahebringt. In Sachsen ist er Gründer und Leiter des Ensembles Corona harmonica, Präsidiumsmitglied der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg und Dozent der Hochschule für Kirchenmusik Dresden; in seiner niedersächsischen Heimat Neustadt am Rübenberge gründete er den Kammerchor Neustädter Land und die Internationale Orgelnacht Mandelsloh.
www.jan-katzschke.de

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224. Veranstaltung: Freitag, 27. August 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

KI KOLECH AREV – IL DOLCE SUONO – jüdische und weltliche Musik aus dem spätmittelalterlichen Italien

Doron Schleifer (Basel) – Gesang (Sopranus, Altus) und Corina Marti (Basel) –  Clavisimbalum, Blockflöten

Verborgen und nicht beachtet von der christlichen Mehrheitsgesellschaft vollzogen die Musiker an den Synagogen des späten Mittelalters und der Renaissance dort, wo sie zumindest toleriert wurden, die Entwicklungen der christlichen Kunstmusik auf ihre Weise nach.

Italienische polyphone Musik des vierzehnten Jahrhunderts wurde mit einem „schillernden Meteor“ verglichen der plötzlich vor einem dunklen Hintergrund in Flammen aufging und dessen Feuerwerk genauso plötzlich verschwand. Auf Grund der erhaltenen Musik erweist sich das republikanische Florenz als eine der wichtigsten Städte im mittelalterlichen Italien, das Mitte des 14. Jahrhunderts an Bedeutung gewann – mit seinem ganz eigenen Musik- und Textstil (Boccaccio, Soldanieri u.a.) in den Kompositionen von Francesco Landini, Gherardello da Firenze, Don Paolo da Firenze, Laurentius da Firenze und Jacopo da Bologna, um nur einige zu nennen.

In diesem Programm möchten wir die Dichotomie zwischen den beiden verschiedenen – aber immer noch verbundenen – Welten präsentieren: jene der vielen jüdischen Musiker und Tanzmeister, die zu dieser Zeit in Italien lebten. Neben der aufwändigen polyphonen Musik und den auffälligen Tänzen, die sie spielten, sangen, tanzten und unterrichteten, hatten sie auch eine parallele Musikwelt – die der Synagoge und ihrer besonderen Musik, mit einigen der schönsten Piyutim, von Achot Ketanah für die Hohen Feiertage bis Maoz Tzur für Chanukka, die wir in Italien finden können, wobei jedes von ihnen eine eigene italienische Version hat, denn einige dieser Melodien finden wir auch in der weltlichen Musik der gleichen Ära.

“I’ mi son un che per le frasche andando, Vo’ pur cercando dilettosi fiori, per far girlanda a mi de novi odori”. (Ich bin einer, der auf dem Land wandert und immer auf der Suche nach herrlichen Blumen ist, mit denen man Girlanden aus neuen Düften machen kann.)

Doron Schleifer, Countertenor, sang bereits im Alter von fünf Jahren als Solist in der Synagoge des Hebrew Union College, Jerusalem, wo sein Vater, Eliyahu Schleifer, als Kantor tätig war. Er absolvierte an der Schola Cantorum Basiliensis sein Masterstudium.Doron tritt regelmässig als Solist und Ensemblesänger mit Ensembles wie La Morra, La Cetra und Profeti della Quinta auf. Er  unterrichtete  im Early Music Village (Nagano, Japan).Dorons Tätigkeit als Sänger wird ergänzt durch seine Arbeit als Dirigent und Leiter des Basler Synagogenchors. Der Chor der Basler Hauptsynagoge blickt auf eine über 80jährige Geschichte zurück, die als einzige in Europa nicht durch den Holocaust unterbrochen wurde.
Corina Marti ist als Cembalistin und Blockflötistin international bekannt für ihre „ausgesprochen hochstehenden“ und „expressiven“ Interpretationen (Toccata) sowie ihre „makellose“ Technik (Diapason).Ihre umfangreiche Diskographie reicht von Istanpitten und Intavolierungen des 14. Jh. bis zu Kammermusik sowie solistischem Repertoire des Hochbarock und darüber hinaus, was die enorme Bandbreite ihres musikalischen Interesses widerspiegelt.Als Solistin und Kammermusikerin ist sie in ganz Europa, Nord- und Südamerika sowie dem Nahen und Fernen Osten unterwegs. Sie konzertierte mit zahlreichen namhaften Ensembles und Orchestern im Bereich der Alten Musik, darunter Hespèrion XXI, Coro della Radio-televisione Svizzera Italiana und Helsinki Baroque Orchestra und ist Gründungsmitglied sowie Co-Director des preisgekrönten Ensembles für spätmittelalterliche und früh-Renaissance-Musik LaMorra, dessen „unfehlbares Talent, die Aufmerksamkeit des Publikums wachzuhalten“ (Gramophone) international für Furore sorgte.Ihre Forschungsarbeit zu Aspekten des Repertoires und der Rekonstruktion von spätmittelalterlichen und frühen Renaissance-Instrumenten (Tasteninstrumente und Flöten) hat zur Wiederbelebung dieser Instrumente entscheidend beigetragen. Sie bemüht sich auch entschieden um die Ausbildung der nächsten Generation an Künstlern im Bereich der Alten Musik im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der Schola Cantorum Basiliensis und als Dozentin bei weltweit stattfindenden Masterclasses.


 

225. Veranstaltung: Freitag, 3. September 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Iter Hierosolymitanum – Der Weg nach Jerusalem. Juden und Christen zur Zeit der Kreuzzüge (1095 – 1291)

Piyyutim über die Zerstörung der rheinischen Gemeinden und das Martyrium von Troyes, Chansons des Croisades, Kreuzug-Lyrik, lateinische Hymnen und Tanzrepertoire aus dem mittelalterlichen Frankreich und Deutschland. 

Ensemble Lucidarium: Carla Nahadi Babelegoto, Lior Leibovici, Enrico Fink – Gesang; Luca Piccioni – Gesang, Laute, Gittern; Avery Gosfield – Blockflöten, Einhandflöte & Trommel; Élodie Poirier – Vielle, Rebec; Massimiliano Dragoni – Schlagwerk, Hackbrett

Die europäische Bewegung zur Inbesitznahme des Heiligen Landes inspirierte zahlreiche höfische Dichter und Kleriker. Diese zu Ehren der Kreuzzüge und Kreuzfahrer geschriebenen Texte und Hymnen – fast 200 Stücke in Latein, Provenzalisch, Deutsch und Altfranzösisch – standen im Mittelpunkt einiger der ersten Studien und ersten Aufführungen der aufkommenden Bewegung der Alten Musik.

Der anti-judaistische Charakter vieler dieser Texte wurde lange Zeit beschönigt: Die anstößigsten Strophen wurden bei der Aufführung oft einfach weggelassen, während die vom einzelnen Dichter verwendete Sprache damit gerechtfertigt wurde, dass sie Teil einer größeren kollektiven Meinung sei, einer Rhetorik, die in der Gesellschaft der damaligen Zeit als völlig akzeptabel galt. Die Geschichte zeichnet jedoch ein anderes Bild, in dem sich diese Rhetorik als alles andere als wohltuend erweist: In zahlreichen Fällen wurde anti-judaistische (oder antiislamische) Rhetorik in tatsächliche Gewalt umgewandelt, eine „Backgroundgeschichte“, die aus Blutvergießen, Massenmord an Schwachen und der Vernichtung ganzer Gemeinschaften bestand, die in den meisten Fällen seit Jahrhunderten Teil des sie umgebenden sozialen Netzes waren.

In der Tat war die jüdische Bevölkerung im späten 11. Jahrhundert ein fester Bestandteil des Rheinlandes. Die Beziehungen zu ihren christlichen Nachbarn mögen schwierig gewesen sein, aber sicherlich nicht genug, um sie auf den Überfall von 1096 vorzubereiten, den eine Gruppe fränkischer Kreuzfahrer auf dem Weg nach Palästina unternahm und der die Gemeinden von Speyer, Mainz und Würms dezimierte. Obwohl viele kirchliche Autoritäten und Zivilisten versuchten, das örtliche Judentum zu schützen, waren am Ende alle machtlos gegen den Ansturm eines wütenden Mobs von Pilgern, denen es egal war, wen sie töteten, solange es ihre Angst vor den „Anderen“ besänftigte.

Es gibt ein riesiges Repertoire an Piyyutim (nachbiblische hebräische Poeme), die diesen Massakern gewidmet sind, einige Jahrhunderte nach den eigentlichen Ereignissen geschrieben, Gewalttaten, die im kollektiven Gedächtnis geblieben sind. Die Piyyutim wurden in ganz Nordeuropa gesungen, praktisch an jedem Ort, an dem sich Juden versammelten: getragen von einer ständigen Bewegung von Menschen und Büchern zwischen Deutschland, Frankreich und England. Viele dieser Gedichte werden immer noch in der volkstümlichen Tradition gesungen, und seit der Neuzeit werden die Massaker, die im mittelalterlichen Deutschland stattfanden, oft als Vorahnung der Shoah angesehen. Auch ihre französischen Nachbarn erlebten den Märtyrertod, was zahlreiche Gedichte inspirierte, darunter eines in Altfranzösisch (geschrieben in hebräischen Schriftzeichen), das eindeutig der Trouvère-Dichtung nachempfunden ist und denjenigen gewidmet ist, die 1380 in Troyes auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. 

Während die Massaker stattfanden – ab dem Ende des 11. Jahrhunderts – waren die meisten jüdischen Gemeinden in Nordeuropa schon seit Generationen ansässig. Obwohl viele Aspekte ihres Lebens getrennt waren, sprachen sie immer noch die lokale Sprache und übernahmen die Kultur, die Werte und die Lebensweise ihrer Nachbarn. 

Mit tragischer Ironie waren die Juden in Frankreich und Deutschland so sehr in die sie umgebende Kultur eingetaucht, dass die einzige Möglichkeit, ihre Empörung und Trauer auszudrücken, darin bestand, die Rhetorik und das poetische Metrum ihrer Mörder zu übernehmen. Obwohl wir die genauen Melodien, mit denen diese Piyyutim gesungen wurden, nie kennen werden, haben wir versucht, zwischen der mündlichen Überlieferung und den historischen Melodien eine glaubwürdige, wenn auch nicht „authentische“ Aufführung zu schaffen, damit die Stimmen der Opfer, dieser „Anderen“, endlich zu hören sind; als Kontrapunkt zu einem bekannten und beliebten Repertoire von klarem ästhetischen Wert, aber inspiriert von einer Bewegung, deren moralische Fehler noch immer angesprochen werden müssen. 


 

226. Veranstaltung, Sonntag, 19. September 2021, 12 und 16 Uhrunter freiem Himmel im Garten des Kraszewski-Museum, Nordstraße 28, 01099 Dresden (Regenvariante im Saal mit beschränktem Platzkapazitäten)

OFFENES PALAIS EXTRA am (ehemaligen) Waldrand

Todweg, Kuhschwanz, Kannenhenkel  – eine musikalische Spätsommerfrische in sächsischen Jagdgründen.

Ensemble WIRBELEY feiert den Spätsommer (mit gebührendem Abstand/Ansitz), die Jagd und den Wald(rand). Es jubilieren Hörner, Viola, Akkordeon, Flöten und Trommeln nebst singender Säge.

Das Programm feiert während einer einmaligen Bespielung ein Areal des Dresdner Stadtgebietes, welches gemeinhin von OFFENES PALAIS nicht belebt wird, dessen Geschichte wenig bekannt ist, das aber als „Drey Stegen“ am historischen Prießnitzübergang des Bischofsweges Ausgangspunkt dreier uralter Heidewege (O, P, Q – in Baumrinde geschnittene Waldzeichen; bekannt als „Todweg“, „Kannenhenkel“ und „Kuhschwanz“) und Startpunkt für höfische Jagden war. 

„Drey Stegen“, ein ehemaliger Waldort, heute Standort des im Schweizer Stil erbauten Kraszewski-Museums, dient als Inspiration für ein lebensfrohes Programm unter freiem Himmel. Es richtet sich an breite Bevölkerungskreise und alle Altersgruppen. Die inhaltliche Bezugnahme auf viele Aspekte der Dresdner Heide und ihrer historischen Waldorte und Wege, die Jagd, mannigfaltige Formen der Lustbarkeit und die Jahreszeiten verspricht ein kurzweiliges Erlebnis. 

Im Programm eröffnet sich dem Publikum ein Füllhorn musikalischer Erzählungen – auf Paul Gerhardts „Geh aus, mein Herz und suche Freud“ folgt großes Trara, tönen die Jagdmelodien mit Hufgetrappel und Hörnerschall, erklingt ein Sommerkanon aus dem 12. Jahrhundert des alten Englands. Wir hören eine serbische Soirée bei sächsischen Siedlern, belauschen eine sprachbegabte Nachtigall auf mittelhochdeutsch. Ein Reigentänzter wirbelt seine Füße im 11/8-Takt und die Liebesgeschichte eines sächsischen Jagdtreibers mit einer schönen Lausitzerin geht gut aus.

Das Projekt OFFENES PALAIS EXTRA am (ehemaligen) Waldrand „Todweg, Kuhschwanz, Kannenhenkel  – eine musikalische Spätsommerfrische in sächsischen Jagdgründen“ wird im Programm Kultursommer 2021 durch die Beauftrage der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) mit Mitteln aus NEUSTART KULTUR gefördert. 


 

227. Veranstaltung in Vorbereitung: Sonntag, 26. September 2021, Kirche im Kanonenhof der Ev.-ref. Gemeinde zu Dresden, Brühlscher Garten 4, 01067 Dresden. (Programm-Datails, Mitwirkende und Uhrzeiten werden noch bekannt gegeben):

OFFENES PALAIS EXTRA: in Vorbereitung

Kunstbetrachtung mit Marius Winzeler zu Inhalten der Ausstellung „BELLUM ET ARTES – Sachsen und Mitteleuropa im Dreißigjährigen Krieg“ der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD)

Aus dem offiziellen Ausstellungstext: Die Ausstellung BELLUM ET ARTES bildet den Auftakt einer mehrjährigen internationalen Kooperation, an der Museen in Prag, Innsbruck, Breslau und Danzig, Stockholm, Mantua, Madrid und Brüssel beteiligt sind. Rund 150 Exponate aus den reichen Beständen der SKD, ergänzt durch Leihgaben u. a. aus Wien, München, Prag und Stockholm sowie authentische Zeitdokumente präsentieren die vielfältigen Facetten der Kunstproduktion, aber auch die Schreckensseiten des Dreißigjährigen Krieges. BELLUM ET ARTES schlägt einen Bogen zu Themen unserer Zeit – Fragen nach dem Zusammenhalt Europas, den Auswirkungen von Flucht und Migration, dem Umgang mit Beutekunst oder der Relevanz des kulturellen Erbes für die Bildung nationaler Identitäten.

Marius Winzeler, Dr. phil.,wurde in der Schweiz geboren. Studium der Kunstgeschichte, Archäologie des Mittelalters und der Älteren Deutschen Literatur an der Universität Zürich, Promotion an der Technischen Universität Berlin. Denkmalpflegerische Tätigkeiten in der Schweiz und in Sachsen, Kurator der Ersten Sächsischen Landesausstellung und zahlreicher anderer Ausstellungen; Veranstalter von spartenübergreifenden Kulturveranstaltungen; Mitbegründer der Veranstaltungsreihe OFFENES PALAIS – MUSIK UND KUNST IM GROSSEN GARTEN. Lehraufträge; Reiseleitungen. Nach langjährigen Tätigkeiten im Kulturhistorischen Museum Görlitz und in den Städtischen Museen Zittau von 2016 bis 2021 Direktor der Sammlung Alter Meister der Nationalgalerie Prag. Veröffentlichungen zur Architektur-, Kunst- und Kulturgeschichte der Schweiz, Sachsens, der Oberlausitz und Böhmens vom Mittelalter bis zur Gegenwart.


 

228. Veranstaltung: Freitag, 15. Oktober 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, FESTSAAL

in Kooperation mit dem HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST

Bitte beachten Sie den begrenzten Platz für zwei Rollstühle im Festsaal! Voranmeldung bzw. Vorverkauf erbeten!

Starke Stimmen – starke Frauen. Barbara Strozzi (1619 – 1677): Musik einer fast vergessenen Komponistin.

Dorothee Mields und Hanna Zumsande – Sopran, Ensemble Hamburger Ratsmusik: Ulrich Wedemeier – Laute, Simone Eckert – Viola da gamba, Anke Dennert – Cembalo

Nach den umjubelten und beeindruckenden Konzerten am 8. Oktober 2019 freuen wir uns auf zwei weitere Konzerte mit Dorothee Mields – eine der führenden Interpretinnen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und zuletzt in Dresden am 13. Februar 2021 mit der Sächsischen Staatskapelle aufgetreten – im Palais, diesmal mit einem Programm mit Werken von Barbara Strozzi, zusammen mit Hanna Zumsande und dem Ensemble Hamburger Ratsmusik. Wir sind glücklich über die Weiterführung der Kooperation mit dem HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST.

Der Venezianerin Barbara Strozzi gelang, was keine andere Frau im 17. Jahrhundert von sich behaupten konnte: Sie hat als Komponistin in einer Männerdomäne Karriere gemacht. Persönlichkeiten wie Claudio Monteverdi verkehrten in ihrem Elternhaus und auch ihr Privatleben verlief mit vier unehelichen Kindern unkonventionell. Strozzis überliefertes Schaffen besteht aus mehr als 125 Werken, in denen sie kompositorische Innovationen wagte, deren Kühnheit bis heute fasziniert.


 

229. Veranstaltung: Freitag, 12. November 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Festsaal

Bitte beachten Sie den begrenzten Platz für nur zwei Rollstühle im Festsaal! Voranmeldung erbeten!

Die Jahre im ZooLesung mit Durs Grünbein

Kleine Hymnen – zeitgenössische musikalische Miniaturen

mit Durs Grünbein (Lesung), Anna Katharina Schumann und Thomas Friedlaender (Zinken, Hörner und Trompeten)

Die bereits zwei Mal pandemiebedingt verschobene Lesung steht in der Reihe einiger bereits im Rahmen von OFFENES PALAIS präsentierter zeitgenössischer Schriftsteller. Der Kosmopolit Durs Grünbein, der in Dresden aufgewachsen und mit der Stadt bis heute eng verbunden ist, gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern der Gegenwart. Sein Wort hat Gewicht. Es soll in einer eigens konzipierten musikalischen Lesung zu Gehör kommen, die in einer Reihe von literarischen Veranstaltungen steht, die das Profil der Veranstaltungsreihe OFFENES PALAIS bereits in der Vergangenheit geschärft haben. Nach den Auftritten von Thomas Rosenlöcher und Christian Lehnert wird das Publikum am 12. November 2021 den mehrfach ausgezeichneten Dichter Durs Grünbein erleben, mit Lesungen aus Werken, die in den letzten Jahren entstanden sind und veröffentlicht wurden. Der Titel „ Die Jahre im Zoo“ nimmt mehrdeutig  Bezug zu Dresden und ganz konkret auch zum Großen Garten. Von hier aus öffnet sich dann der Blick in die Weite, nicht nur ins Elbtal, sondern weit darüber hinaus. Dabei wird sich Durs Grünbein in erster Linie als faszinierend vielschichtiger Schriftsteller präsentieren, jedoch ausdrücklich nicht nur als politischer Mensch, wie er zuletzt nach dem Streitgespräch mit Uwe Tellkamp wahrgenommen worden ist.

Zur literarischen gesellt sich die musikalische Komponente des Programmes – auch wenn die Lesung von Durs Grünbein im Zentrum steht, so schaffen die Verzahnung mit instrumentalen Klängen und der räumliche Rahmen im Palais im Großen Garten eine einzigartige Atmosphäre. Anna Katharina Schumann und Thomas Friedlaender nennen ihre Musik „Kleine Hymnen“. Es sind kurze Miniaturen, welche die Lesung mit immer wieder anders gearteten Improvisationen gliedern und kommentieren – und dadurch Raum bieten zum Nachdenken und Innehalten. Mit ähnlichen Instrumenten, doch mit unterschiedlicher Tonsprache lassen sich die beiden Musiker aufeinander und auf die gelesenen Texte ein und laden ein zur geistigen Kontemplation.

Durs Grünbein wurde 1962 in Dresden geboren. Dichter, Essayautor, Librettist, Übersetzer. Lebt in Berlin und Rom. Studium der Theatergeschichte an der Humboldt Universität Berlin. Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Büchner-Preis 1995, dem Nietzsche-Preis 2004, dem Pasolini-Preis Rom 2006, dem schwedischen Tranströmer-Preis 2012 und dem Zbigniew-Herbert-Preis für International Poetry 2020. Professor für Poetik an der Kunstakademie Düsseldorf, Mitglied des Ordens Pour le mérite sowie mehrerer deutscher Akademien. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag Berlin Cyrano oder Die Rückkehr vom Mond. Gedichte, 2014; Die Jahre im Zoo. Prosa, 2015; Zündkerzen. Gedichte, 2017; Aus der Traum (Kartei). Aufsätze und Notate, 2019 und Jenseits der Literatur (Oxford Lectures), 2020.

Bitte beachten Sie die begrenzte Anzahl an Rollstühlen im Festsaal! Voranmeldung erbeten!

Nach den beiden Veranstaltungen am 12.11. 2021 gibt es im Palais jeweils einen Büchertisch der Buchhandlung LeseZeichen mit der Möglichkeit zum Gespräch und Signieren.

Die Veranstaltungen am 12. November werden dankenswerterweise gefördert durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.


 


Planung 2022

Auf Grund der Ausstellung „Dresdner Frühling im Palais“ gibt es im Februar/März 2022 zwei Veranstaltungen unter dem Titel OFFENES PALAIS unterwegs außerhalb des Palais Großer Garten:

Sonntag, 13. Februar 2022, OFFENES PALAIS unterwegs in der Dreikönigskirche Dresden

Dresdner Totentanz

(Mitwirkende, das genaue Programm, Uhrzeit und weitere Details werden noch bekannt gegeben)

Sonnabend, 5. März 2022, OFFENES PALAIS unterwegs in der Loschwitzer Kirche

„Von Herzens-Trost und Seelen-Heil“

Psalmvertonungen und Kantaten aus Mitteldeutschland u.a. von Johann Schelle, David Pohle, Johann Kuhnau und Gottfried Heinrich Stölzel

David Erler – Konzept und Gesang (Altus), vier Streicher (zwei Geigen + zwei Gamben) und B.c. mit Fagott, Laute und Streichbass, Sebastian Knebel – Orgel und Leitung

weitere Planungen 2022:
 

Mit der Parkbahn nach Palermo – OFFENES PALAIS unterwegs im Großen Garten

Noemi la Terra – Gesang; Ensemble WIRBELEY: Anna Katharina, Cornelia und Georg Arthur Schumann, Eike Geier-Tautenhahn und Michael Sapp – Akkordeon, Flügelhorn, Waldhorn, Trompete, Stiller Zink, Blockflöten, Schalmei, Perkussion, Gesang

„Das Ensemble WIRBELEY lädt ein in den Großen Garten zu einem Rendezvous mit der temperamentvollen deutsch-sizilianischen Sängerin NOEMI LA TERRA. Wir laden ein zu zwei Konzerten unter freiem Himmel“ – so wurde es auf diesen Seiten für den 13. Mai 2021 angekündigt. Das Programm konnte nicht realisiert werden – wir bemühen uns um einen Ersatztermin.

NOEMI LA TERRA sang bereits 2009 zur 100. Veranstaltung der Reihe OFFENES PALAIS . Sie wuchs in Deutschland auf, entstammt einer sizilianischen Familie und studierte nach dem Abitur u. a. Jazzgesang an der Dresdner Musikhochschule bei Céline Rudolph und Alte Musik bei Ludger Rémy, gefolgt von einem Masterstudiengang an der Folkwang Universität in Essen mit „Musik des Mittelalters“. Zahlreiche Meisterkurse, u. a. bei Benjamin Bagby, Anne Azéma, Monica Mauch und Marco Beasley ergänzten ihr Studium. Noemi sammelte Erfahrungen im Bereich von Gospel, Neuer Musik, Improvisation, traditioneller süditalienischer und arabischer Musik sowie als Mezzosopran in der Alten Musik mit ihren eigenen Projekten und bei renommierten Ensembles wie „Sarband“ (Ltg. Vladimir Ivanoff) und „Ars Choralis Coeln“ (Ltg. Maria Jonas). Zahlreiche Gastspiele führten Noemi La Terra durch Deutschland, Europa bis nach China und New York. 2014 CD-Veröffentlichung der CD „La voce della Passione“ (Raumklang). Projekte und Programme: „Donnafugata“ (Alte Musik), „Zágara“ (Jazz und sizilianische Folklore), „Canti del mare e della terra“ (Sizilianische Weisen und Geschichten), Auftritte als Cantastorie (Geschichtensängerin mit Liedern der Trobadors und Laude aus Florenz und Cortona). 2017 Gründung der Frauenschola „Cantica Sibyllarum“ (mit „Musik auf dem Weg nach Compostela“ und Stücken von Hildegard von Bingen).


 

„Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ – barocke Programmmusik aus Österreich, Deutschland und Italien von Johann Jakob Walter, Marco Uccellini, Johann Heinrich Schmelzer u.a.

Chursächsische Capelle Leipzig: Anne Schumann und Dorothea Vogel – Barockviolinen, Klaus Voigt – Viola da Spalla, Petra Burmann – Gitarre/Theorbe

Das nachfolgend beschriebene Programm wurde auf diesen Seiten für den 16. Mai 2021 angekündigt. Das Programm konnte nicht realisiert werden – wir bemühen uns um einen Ersatztermin: „Der Frühling lockt die Chursächsische Capelle Leipzig in den Großen Garten. Wir laden ein unter freiem Himmel im Freiluftpuppentheater Sonnenhäusel in den vorhandenen Bankreihen Platz zu nehmen – denn wo könnte es schöner für dieses musikalische Treffen sein als am Sonnenhäusel im Park? Doch Vorsicht, das alte Sprichwort sagt: Kräht der Gockel auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie’s ist! Das Publikum sollte sich für alle Wetterlagen wappnen (Der Hahn wird bestimmt zu hören sein!). Wetterbedingt wird deshalb freundlich um eigene Regencapes (statt Regenschirmen) und eigene Sitzkissen gebeten. Das Ensemble tritt in einen Wettstreit mit der zwitschernden Vogelschar, die im Mai im Großen Garten ihre lustigen Lieder anstimmt. Dabei treffen sich die besten Geiger aus Europa: Allen voran der Virtuose Johann Jakob Walter aus Dresden, des Weiteren der einfallsreiche Johann Heinrich Schmelzer aus Österreich und außerdem der feurige Marco Uccellini aus Italien, selbst den Namen der Vögelchen tragend – Uccellini…“

Die Chursächsische Capelle Leipzig gründete sich 1994, um auf historischen Instrumenten hauptsächlich vergessene Werke der Barockmusik aufzuführen. Im Stile der alten Hofkapellen wechselt das Ensemble je nach Programm die Besetzung. Hauptwirkungsstätte der Capelle ist das Schloß Schönefeld in Leipzig. Dort stellt das Ensemble im Rahmen der „Schönefeld Schloßkonzerte“ dem Publikum ausgewählte Programme vor. Höhepunkt bildet dabei das alljährliche Sommerfest, wo draußen um das Schloss herum musiziert und gefeiert wird. Die Chursächsische Capelle Leipzig ist regelmäßig im Bosehaus Leipzig, im Händelhaus Halle/S. und bereits mehrfach in der Reihe OFFENES PALAIS zu Gast gewesen. Auch zählen Konzerte beim MDR-Musiksommer, beim Bachfest Leipzig, dem Uckermärkischen Msuiksommer oder bei den Magdeburger Sonntagsmusiken zum Konzertkalender des Ensembles. Seit 1996 nahm die Chursächsische Capelle Leipzig viele CD auf, beginnend mit Ludger Rémy die CD „Kammermusik der Bach-Familie“ und u.a. eine Aufnahme mit Thüringer Kantaten. www.barockmusik-in-leipzig.de


 

»Luce« – Werke aus dem Carlo G. Manuskript sowie von Georg Friedrich Händel, Franz Schubert und Eva Sindichakis

Franz Vitzthum – Countertenor, Johanna Seitz – Harfe, Elisabeth Seitz – Psalterio

Nicht umsonst prägen das Licht (ital. »Luce«) und seine vielfältigen Symbole seit jeher die Kulturgeschichte des Menschen – denn Leben ohne Licht ist undenkbar. Das Thema Licht ist von zentraler Bedeutung in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Religion; es ist auch und bis heute eine Quelle der Inspiration für Komponisten aller Stilepochen und Kontinente. Der Countertenor Franz Vitzthum hat zusammen mit den in der Alten-Musik-Szene heiß begehrten Schwestern Elisabeth und Johanna Seitz epochen- und genreübergreifend Werke für eine »erhellende« Stunde zusammengestellt. Für seine glockenreine Stimme wird Vitzthum weithin enthusiastisch gefeiert – sicher auch im Palais Großer Garten!