Programm

Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten!

233. Veranstaltung: Dienstag, 28. Juni 2022, Palais Großer Garten, Mittelhalle, 14:30 und 19:30 Uhr

Von Bingen nach Bagdad
Die Musik der Hildegard von Bingen im Dialog mit der orientalischen Welt

Maria Jonas – Gesang, Shrutibox
Bassem Hawar – Djoze (irakische Fidel)
Thomas Friedlaender – Schlagwerk, Glocken

O cruor sanguinis – Hildegard von Bingen
Die Musik Hildegards und die des Orients scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Doch stammt unsere westliche Musik auf der Gregorianik ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, d.h. sie haben die gleichen Wurzeln, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Dieser Musik zugrunde liegen Skalen: die Modi im Westen und Makams im Osten. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Dur- und Molltonarten. Zur Zeit Hildegards waren in unseren Breiten noch die Modi und das einstimmige Singen üblich. Der Westen entschied sich später jedoch für einen anderen Weg: die Polyphonie. Der Orient dagegen blieb beim „cantus planus“ und verfeinerte ihn über die Jahrhunderte. Es entstanden komplizierte Skalen mit Achtel, Siebenachtel und Vierteltönen.

Hildegard (1098-1179) von Bingen war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Die rheinische Äbtissin schrieb eine Unmenge an Werken, die sich mit Fragen der Theologie, mit ihren eigenen Visionen, mit der Musik, der Natur und der Medizin befassten. Hildegard war die erste deutsche Naturforscherin, die erste schreibende Ärztin und Heilerin, Komponistin, Malerin, Theologin und Äbtissin der von ihr gegründeten benediktinischen Klöster am Rhein. Als geistige Führerin ihrer Zeit erteilte sie Päpsten und Kaisern Rat und Weisung und scheute auch nicht die Kritik an deren Entscheidungen. „Prophetissa teutonica“ hat man sie schon zu Lebzeiten genannt, eine Sybille vom Rhein. Hildegards kompositorische Fähigkeiten – Schöpfungen aus ihren Visionen – waren seit den späten 1140er Jahren bekannt. Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Autoren stammen, hinterließ Hildegard den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in der Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und die später unter dem Titel „Symphonia armoniae celestium revelationum“ (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden.

Im Gesang erkennt Hildegard eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen ist nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit „symphonisch“ gestimmt. Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer „musica mundana“, der Harmonie aller Sphären: „Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.“ Auch des Menschen Seele hat „tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des so schönen Klanges“. Hildegard nun steht mit ihren Kompostionen im 12. Jahrhundert genau an dem europäischen Scheidepunkt zur Mehrstimmigkeit: sie ist eine der letzten, die im Cantus Planus komponierten, ihn verfeinerte, erweiterte, neue Klangräume suchte und fand. Sie experimentierte mit den Mittel ihrer Zeit. Hier könnte man sich auch eine europäische Entwicklung vorstellen hin zu ähnlichen Skalen, wie wir sie heute noch in der orientalischen Musik finden.
So wird die Musik des Mittelalters eine Brücke zur orientalischen Musik. Es entsteht dabei ein Dialog nicht nur zwischen den Kulturen sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart.


234. Veranstaltung: Freitag, 15. Juli 2022, Palais Großer Garten, Mittelhalle, 14:30 und 19:30 Uhr

Sehnsucht nach Italien! – Teil Nr. 1 Von Dresden über Tirol nach Venedig: eine musikalische Reise voller Überraschungen

Werke von Farina, Vierdanck, Mealli, Viviani, Uccellini u.a.

Anne Schumann und Amber McPherson – Violine; Katharina Holzhey – Viola da gamba, Mark Nordstrand – Cembalo


235. Veranstaltung: Samstag, 16. Juli 2022, 16 Uhr Festwiese des Seifersdorfer Tal –

OFFENES PALAIS unterwegs in Kooparation mit Seifersdorfer Tal e.V.

Sehnsucht nach Italien! – Teil Nr. 2 Von Venedig über Tirol nach Dresden: eine musikalische Reise voller Überraschungen

Werke von Merula, Marini, Schmelzer, Walter, Vierdanck u.a.

Thomas Friedlaender – Zink, Alphorn, Posthorn; Anne Schumann und Amber McPherson – Violine; Klaus Voigt – Viola da spalla; Mark Nordstrand – Cembalo


das nachfolgende Programm, und weitere Programme, wollten wir eigentlich im Palais präsentieren… 

»Luce« – Werke aus dem Carlo G. Manuskript sowie von Georg Friedrich Händel, Franz Schubert und Eva Sindichakis

Franz Vitzthum – Countertenor, Johanna Seitz – Harfe, Elisabeth Seitz – Psalterio

Nicht umsonst prägen das Licht (ital. »Luce«) und seine vielfältigen Symbole seit jeher die Kulturgeschichte des Menschen – denn Leben ohne Licht ist undenkbar. Das Thema Licht ist von zentraler Bedeutung in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Religion; es ist auch und bis heute eine Quelle der Inspiration für Komponisten aller Stilepochen und Kontinente. Der Countertenor Franz Vitzthum hat zusammen mit den in der Alten-Musik-Szene heiß begehrten Schwestern Elisabeth und Johanna Seitz epochen- und genreübergreifend Werke für eine »erhellende« Stunde zusammengestellt. Für seine glockenreine Stimme wird Vitzthum weithin enthusiastisch gefeiert – sicher auch im Palais Großer Garten!