Programm

Unsere künftigen Veranstaltungen im Palais Großer Garten finden Sie hier nachfolgend aufgelistet. Alle bisherigen Programme der vergangenen Jahre finden Sie im Menüpunkt „20 Jahre“ unter „Archiv“.

221. Veranstaltung, Dienstag, 10. November 2020, 14:30 und 19:30 Uhr,

Palais Großer Garten, Mittelhalle  

Von Bingen nach Bagdad – die Musik der Hildegard von Bingen im Dialog mit der orientalischen Welt

Maria Jonas (Köln) – Gesang, Shutibox

Bassem Hawar – Djoze (irakische Fidel)

Thomas Friedlaender – Schlagwerk, Glocken

Die Musik Hildegards und die des Orients scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Doch stammt unsere westliche Musik auf der Gregorianik ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, d.h. sie haben die gleichen Wurzeln, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Dieser Musik zugrunde liegen Skalen: die Modi im Westen und Makams im Osten. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Dur- und Molltonarten. Zur Zeit Hildegards waren in unseren Breiten noch die Modi und das einstimmige Singen üblich. Der Westen entschied sich später jedoch für einen anderen Weg: die Polyphonie. Der Orient dagegen blieb beim „cantus planus“ und verfeinerte ihn über die Jahrhunderte. Es entstanden komplizierte Skalen mit Achtel, Siebenachtel und Vierteltönen.

Hildegard (1098-1179) von Bingen war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Die rheinische Äbtissin schrieb eine Unmenge an Werken, die sich mit Fragen der Theologie, mit ihren eigenen Visionen, mit der Musik, der Natur und der Medizin befassten. Hildegard war die erste deutsche Naturforscherin, die erste schreibende Ärztin und Heilerin, Komponistin, Malerin, Theologin und Äbtissin der von ihr gegründeten benediktinischen Klöster am Rhein. Als geistige Führerin ihrer Zeit erteilte sie Päpsten und Kaisern Rat und Weisung und scheute auch nicht die Kritik an deren Entscheidungen. „Prophetissa teutonica“ hat man sie schon zu Lebzeiten genannt, eine Sybille vom Rhein. Hildegards kompositorische Fähigkeiten – Schöpfungen aus ihren Visionen – waren seit den späten 1140er Jahren bekannt. Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Autoren stammen, hinterließ Hildegard den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in der Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und die später unter dem Titel „Symphonia armoniae celestium revelationum“ (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden.

Im Gesang erkennt Hildegard eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen ist nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit „symphonisch“ gestimmt. Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer „musica mundana“, der Harmonie aller Sphären: „Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.“ Auch des Menschen Seele hat „tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des so schönen Klanges“.

Hildegard nun steht mit ihren Kompostionen im 12. Jahrhundert genau an dem europäischen Scheidepunkt zur Mehrstimmigkeit: sie ist eine der letzten die im Cantus Planus komponierten, ihn verfeinerte, erweiterte, neue Klangräume suchte und fand. Sie experimentierte mit den Mittel ihrer Zeit. Hier könnte man sich auch eine europäische Entwicklung vorstellen hin zu ähnlichen Skalen, wie wir sie heute noch in der orientalischen Musik finden.

So wird die Musik des Mittelalters eine Brücke zur orientalischen Musik. Es entsteht dabei ein Dialog nicht nur zwischen den Kulturen sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die stimmungsvolle Mittelhalle mit ihrem fast „sakralen“ Erscheinungsbild und der halligen aber trotzdem erstaunlich transparenten Akustik ist dafür der passende Rahmen.

OFFENES PALAIS wird ab 4. Dezember 2020 im Festsaal fortgesetzt.

222. Veranstaltung, Freitag, 4. Dezember 2020, 14:30 und 19:30 Uhr

Palais Großer Garten, Festsaal

Adventskonzert im Festsaal: Ein Ros´ zieht durch Europa

Isabel Schicketanz – Sopran, Stefan Kunath – Alt, Tobias Mäthger – Tenor, Martin Schicketanz – Bass

Advent und Weihnachten verbindet Generationen, Gemeinden, Länder und Kontinente. Was wäre diese besondere Jahreszeit ohne seine Lieder? Jeder kennt sie und jeder verbindet tiefe Erinnerungen mit ihnen: sei es das erste Musikstück auf dem Instrument, die vollen Kirchen zur Weihnachtszeit oder das Singen unterm Weihnachtsbaum mit der Familie.Viele Länder haben ihre eigenen und andersartigen Melodien. Manches Lied aber, wie Es ist ein Ros´ entsprungen, wird in fast allen Ländern gesungen und führt uns in unserem Programm in verschiedenen Sprachen quer durch Europa.

Auf der moderierten musikalischen Reise erklingen kecke tschechische Hirtengesänge wie Půjdem spolu do Betléma, führen Lieder wie das schwedische Jul, Jul durch die kristallklare, klirrende Eispracht des skandinavischen Nordens und erzählen Weisen aus England wie O little town of Bethlehem ganz hymnisch von der Weihnacht. Neben ernsteren adventlichen deutschen Liedern wie Oh Heiland reiß die Himmel auf lädt die österreichische Verkündigungserzählung Kommt’s her ihr Hirten all zusamm’ zum Schmunzeln ein. Schließlich führen uns die heiteren Rhythmen u.a. von Vamos Pastorcillos zu den spanischen Weihnachtsfreuden.

Weitere Termine sind in Vorbereitung. Vielen Dank für Ihr Verständnis dafür, dass wir auf Grund der derzeitigen Situation nur „auf Sicht“ planen können. Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten.

 

 

%d Bloggern gefällt das: