Programm

Unsere künftigen Veranstaltungen im Palais Großer Garten finden Sie hier nachfolgend aufgelistet. Alle bisherigen Programme der vergangenen Jahre finden Sie im Menüpunkt „20 Jahre“ unter „Archiv“.

OFFENES PALAIS wird irgendwann fortgesetzt. Wenn wir darüber Klarheit haben werden wir es hier bekanntgeben.

Für einige Programme hatten wir 2020 auf Grund der Corona-Pandemie nacheinander mehrere Termine geplant – sie wurden immer wieder abgesagt: das nachfolgende Konzert war ursprünglich vorgesehen für 24. April, dann am 10. November, schließlich am 18. Dezember 2020 – wir freuen uns nun auf das Jahr 2021.

Von Bingen nach Bagdad – die Musik der Hildegard von Bingen im Dialog mit der orientalischen Welt

Maria Jonas (Köln) – Gesang, Shutibox

Bassem Hawar – Djoze (irakische Fidel)

Thomas Friedlaender – Schlagwerk, Glocken

Die Musik Hildegards und die des Orients scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Doch stammt unsere westliche Musik auf der Gregorianik ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, d.h. sie haben die gleichen Wurzeln, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Dieser Musik zugrunde liegen Skalen: die Modi im Westen und Makams im Osten. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Dur- und Molltonarten. Zur Zeit Hildegards waren in unseren Breiten noch die Modi und das einstimmige Singen üblich. Der Westen entschied sich später jedoch für einen anderen Weg: die Polyphonie. Der Orient dagegen blieb beim „cantus planus“ und verfeinerte ihn über die Jahrhunderte. Es entstanden komplizierte Skalen mit Achtel, Siebenachtel und Vierteltönen.

Hildegard (1098-1179) von Bingen war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Die rheinische Äbtissin schrieb eine Unmenge an Werken, die sich mit Fragen der Theologie, mit ihren eigenen Visionen, mit der Musik, der Natur und der Medizin befassten. Hildegard war die erste deutsche Naturforscherin, die erste schreibende Ärztin und Heilerin, Komponistin, Malerin, Theologin und Äbtissin der von ihr gegründeten benediktinischen Klöster am Rhein. Als geistige Führerin ihrer Zeit erteilte sie Päpsten und Kaisern Rat und Weisung und scheute auch nicht die Kritik an deren Entscheidungen. „Prophetissa teutonica“ hat man sie schon zu Lebzeiten genannt, eine Sybille vom Rhein. Hildegards kompositorische Fähigkeiten – Schöpfungen aus ihren Visionen – waren seit den späten 1140er Jahren bekannt. Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Autoren stammen, hinterließ Hildegard den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in der Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und die später unter dem Titel „Symphonia armoniae celestium revelationum“ (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden.

Im Gesang erkennt Hildegard eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen ist nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit „symphonisch“ gestimmt. Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer „musica mundana“, der Harmonie aller Sphären: „Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.“ Auch des Menschen Seele hat „tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des so schönen Klanges“.

Hildegard nun steht mit ihren Kompostionen im 12. Jahrhundert genau an dem europäischen Scheidepunkt zur Mehrstimmigkeit: sie ist eine der letzten die im Cantus Planus komponierten, ihn verfeinerte, erweiterte, neue Klangräume suchte und fand. Sie experimentierte mit den Mittel ihrer Zeit. Hier könnte man sich auch eine europäische Entwicklung vorstellen hin zu ähnlichen Skalen, wie wir sie heute noch in der orientalischen Musik finden.

So wird die Musik des Mittelalters eine Brücke zur orientalischen Musik. Es entsteht dabei ein Dialog nicht nur zwischen den Kulturen sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die stimmungsvolle Mittelhalle mit ihrem fast „sakralen“ Erscheinungsbild und der halligen aber trotzdem erstaunlich transparenten Akustik ist dafür der passende Rahmen.

abgesagt:

221. Veranstaltung, Freitag, 4. Dezember 2020, 14:30 und 19:30 Uhr

Palais Großer Garten, Festsaal

Adventskonzert im Festsaal: „Ein Ros´ zieht durch Europa

Isabel Schicketanz – Sopran, Stefan Kunath – Alt, Tobias Mäthger – Tenor, Martin Schicketanz – Bass

Advent und Weihnachten verbindet Generationen, Gemeinden, Länder und Kontinente. Was wäre diese besondere Jahreszeit ohne seine Lieder? Jeder kennt sie und jeder verbindet tiefe Erinnerungen mit ihnen: sei es das erste Musikstück auf dem Instrument, die vollen Kirchen zur Weihnachtszeit oder das Singen unterm Weihnachtsbaum mit der Familie.Viele Länder haben ihre eigenen und andersartigen Melodien. Manches Lied aber, wie Es ist ein Ros´ entsprungen, wird in fast allen Ländern gesungen und führt uns in unserem Programm in verschiedenen Sprachen quer durch Europa.

Auf der moderierten musikalischen Reise erklingen kecke tschechische Hirtengesänge wie Půjdem spolu do Betléma, führen Lieder wie das schwedische Jul, Jul durch die kristallklare, klirrende Eispracht des skandinavischen Nordens und erzählen Weisen aus England wie O little town of Bethlehem ganz hymnisch von der Weihnacht. Neben ernsteren adventlichen deutschen Liedern wie Oh Heiland reiß die Himmel auf lädt die österreichische Verkündigungserzählung Kommt’s her ihr Hirten all zusamm’ zum Schmunzeln ein. Schließlich führen uns die heiteren Rhythmen u.a. von Vamos Pastorcillos zu den spanischen Weihnachtsfreuden.

WEITERE PROGRAMME – noch ohne bestätigte Termine:

Palais Großer Garten, Festsaal

(ursprünglich geplant für den 27. März 2020 und 8.September, 14:30 und 19:30 Uhr)

Die Jahre im ZooLesung mit Durs Grünbein

Kleine Hymnen – improvisierte und zeitgenössische musikalische Miniaturen

mit Anna Katharina Schumann und Thomas Friedlaender (Zinken, Hörner und Trompeten)

Die bereits zwei Mal pandemiebedingt verschobene Lesung steht in der Reihe einiger bereits im Rahmen von OFFENES PALAIS präsentierter zeitgenössischer Schriftsteller. Nach den Auftritten von Thomas Rosenlöcher und Christian Lehnert planen wir den Auftritt des mehrfach ausgezeichneten Dichters Durs Grünbein.

Zum Inhalt der Lesung: Hellerau, die Gartenstadt am Rande Dresdens, zu Beginn des 20. Jahrhunderts Station für Kafka, Rilke, Benn und viele andere, wird für Durs Grünbein zu einer Stätte von prägender Kraft für den eigenen Lebensweg. Von hier aus geht es hinein in das Jahrhundert: Die Schicksale der Vorfahren väter- und mütterlicherseits ebenso wie das ihm überlieferte Trauma der Zerstörung Dresdens sind Erzählungen, die tief in den Kreis seiner eigenen Erfahrungen eindringen. Über das atmosphärisch dichte Erlebnis der heimatlichen Brachen und der russischen Besatzung öffnet sich in dieser äußersten Ecke des östlichen Deutschland ein konkreter Raum des Erinnerns. So entsteht das Bild seiner Kindheit – am Rand der Geschichte in den langen Sommern des Kalten Krieges. Freundschaften und frühes Leid, schulische Erfahrungen und erste Lektüren, Lieblingsspielzeuge, Träume, Phantasien und Phantasmen entfalten sich in einem farbenreichen Kaleidoskop aus autobiographischer Prosa, Poemen, Reflexionen und, nicht zuletzt, vielen Funden aus der reichen Bildersammlung des Dichters.

Durs Grünbein wurde 1962 in Dresden geboren. Er lebt und arbeitet als Dichter, Übersetzer und Essayist in Berlin und Rom. Nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs führten ihn Reisen durch Europa, nach Südostasien und in die Vereinigten Staaten. Er war Gast des German Department der New York University und der Villa Aurora in Los Angeles. Für sein Werk erhielt er mehrere Preise, darunter den Peter-Huchel-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Literaturpreis der Osterfestspiele Salzburg 2000, den Friedrich Nietzsche-Preis des Landes Sachsen-Anhalt 2004 und den Berliner Literaturpreis der Preußischen Seehandlung verbunden mit der Heiner-Müller-Professur 2006. Seine Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

„Von Herzens-Trost und Seelen-Heil“

Psalmvertonungen und Kantaten aus Mitteldeutschland u.a. von Johann Schelle, David Pohle, Johann Kuhnau und Gottfried Heinrich Stölzel

David Erler – Konzept und Gesang (Altus), vier Streicher (zwei Geigen + zwei Gamben) und B.c. mit Fagott, Laute und Streichbass, Sebastian Knebel – Orgel und Leitung

Johann Sebastian Bach: die Goldbergvariationen

Ein Cembalo-Recital mit Jan Katzschke

Jan Katzschke (geb. 1972 im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge) studierte Cembalo und Kirchenmusik in Hannover bei Lajos Rovatkay, Hans Christoph Becker-Foss und Heinz Hennig. Im Rahmen einer ersten hauptamtlichen Kantorenstelle im Erzgebirge initiierte und begleitete er die Restaurierung der historischen Oehme-Orgel (1788) Zethau. Anschließend begann er im sächsischen Freiberg seine freischaffende Konzerttätigkeit, danach lebte er im Südschwarzwald und betrieb weitere Studien bei Robert Hill. Zuletzt leitete er als Kantor am Dresdner Diakonissenhaus fast 13 Jahre lang eine umfangreiche liturgische Arbeit u.a. mit monatlichen Bach-Kantaten und zahlreichen Oratorienaufführungen. Heute pendelt er zwischen seiner niedersächsischen Heimat und Sachsen und konzertiert international als Organist, Cembalist und Kammermusiker. Seine CD-Aufnahmen sind teilweise preisgekrönt, so wurde etwa seine Einspielung der Cembalowerke von Matthias Weckmann mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ ausgezeichnet. Im Zentrum seiner Arbeit steht das Schaffen J.S. Bachs, das er dem Publikum auch in Werkeinführungen erschließt. Mit seinem Ensemble Corona harmonica erarbeitet er sächsische Musik infolge der Reformation. Mit Konzerten, Exkursionen, Symposien, Vorträgen, Noteneditionen und Textpublikationen widmet er sich der der Erforschung und Vermittlung der mitteldeutschen Kirchenmusik, der sächsischen Orgellandschaft und des historischen Clavierbaus. Er ist Präsidiumsmitglied der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg, 2017 war er Jurymitglied des Internationalen Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbes. In Dresden lehrt er als Dozent der Hochschule für Kirchenmusik im Hauptfach Orgel, in Niedersachsen gründete er mit dem Kammerchor Neustädter Land und der Internationalen Orgelnacht Mandelsloh anspruchsvolle Musikprojekte auf dem Lande. Der lettische Komponist Rihards Dubra widmete ihm mehrere Werke.

»Luce« – Werke aus dem Carlo G. Manuskript sowie von Georg Friedrich Händel, Franz Schubert und Eva Sindichakis

Franz Vitzthum – Countertenor, Johanna Seitz – Harfe, Elisabeth Seitz – Psalterio

Nicht umsonst prägen das Licht (ital. »Luce«) und seine vielfältigen Symbole seit jeher die Kulturgeschichte des Menschen – denn Leben ohne Licht ist undenkbar. Das Thema Licht ist von zentraler Bedeutung in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Religion; es ist auch und bis heute eine Quelle der Inspiration für Komponisten aller Stilepochen und Kontinente. Der Countertenor Franz Vitzthum hat zusammen mit den in der Alten-Musik-Szene heiß begehrten Schwestern Elisabeth und Johanna Seitz epochen- und genreübergreifend Werke für eine »erhellende« Stunde zusammengestellt. Für seine glockenreine Stimme wird Vitzthum weithin enthusiastisch gefeiert – sicher auch im Palais Großer Garten!

KI KOLECH AREV – IL DOLCE SUONOjüdische und weltliche Musik aus dem spätmittelalterlichen Italien

Doron Schleifer (Basel) – Gesang (Sopranus, Altus) und Corina Marti (Basel) –  Clavisimbalum, Blockflöten

Italienische polyphone Musik des vierzehnten Jahrhunderts wurde mit einem „schillernden Meteor“ verglichen der plötzlich vor einem dunklen Hintergrund in Flammen aufging und dessen Feuerwerk genauso plötzlich verschwand.

Auf Grund der erhaltenen Musik erweist sich das republikanische Florenz als eine der wichtigsten Städte im mittelalterlichen Italien, das Mitte des 14. Jahrhunderts an Bedeutung gewann – mit seinem ganz eigenen Musik- und Textstil (Boccaccio, Soldanieri u.a.) in den Kompositionen von Francesco Landini, Gherardello da Firenze, Don Paolo da Firenze, Laurentius da Firenze und Jacopo da Bologna, um nur einige zu nennen.

In diesem Programm möchten wir die Dichotomie zwischen den beiden verschiedenen – aber immer noch verbundenen – Welten präsentieren: jene der vielen jüdischen Musiker und Tanzmeister, die zu dieser Zeit in Italien lebten. Neben der aufwändigen polyphonen Musik und den auffälligen Tänzen, die sie spielten, sangen, tanzten und unterrichteten, hatten sie auch eine parallele Musikwelt – die der Synagoge und ihrer besonderen Musik, mit einigen der schönsten Piyutim, von Achot Ketanah für die Hohen Feiertage bis Maoz Tzur für Chanukka, die wir in Italien finden können, wobei jedes von ihnen eine eigene italienische Version hat, denn einige dieser Melodien finden wir auch in der weltlichen Musik der gleichen Ära.

“I’ mi son un che per le frasche andando, Vo’ pur cercando dilettosi fiori, per far girlanda a mi de novi odori”. (Ich bin einer, der auf dem Land wandert und immer auf der Suche nach herrlichen Blumen ist, mit denen man Girlanden aus neuen Düften machen kann.)

 

 

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