Programm

Hier sehen Sie Termine und geplante Programme, mit denen wir die real und live praktizierte monatliche Kontinuität der Reihe gerne wieder aufnehmen würden (bzw. aufgenommen hätten).

Bitte informieren Sie sich unmittelbar vor unseren angezeigten Terminen – Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten!

Das Bedürfnis nach Nähe und Kontakt ist systemrelevant und Teil der „seelischen Inzidenz“. Online-Veranstaltungen sind aus unserer Sicht eine unbefriedigende und bestenfalls eine temporäre Notlösung – sie können reale Vernstaltungen nicht ersetzen. Publikum und Mitwirkende benötigen diese unmittelbare Gemeinsamkeit wie das täglich Brot.

Andererseits sehen wir die Gefährlichkeit der aktuellen dritten Welle der Pandemie. Entschiedene Maßnahmen sind das Gebot der Stunde und der effizienteste Weg um den Lockdown mit allen seinen negativen Auswirkungen kurz zu halten – statt Missachtung der Abstandsregeln, Verzicht auf Masken, schlechtes Impfmanagement und Öffnungen angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen. Unser Beitrag sind bisher zehn abgesagte bzw. verschobene Veranstaltungstage: 27.3.2020, 24.4.2020, 23.5.2020; 10.11.2020, 4.12.2020, 8.1.2021, 12.2.2021, 23.3.2021, 1.4.2021, 25.4.2021 …

GEPLANTE TERMINE

221.Veranstaltung: Freitag, 7. Mai 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

(ursprünglich geplant für April 2020, verschoben auf November 2020, erneut verschoben auf 7.5.2021 und noch nicht erneut verschoben)

Von Bingen nach Bagdad – die Musik der Hildegard von Bingen im Dialog mit der orientalischen Welt

Maria Jonas – Gesang, Shrutibox, Bassem Hawar – Djoze (orientalische Fidel), Thomas Friedlaender – Schlagwerk und Glockenspiel

Das bereits zwei Mal pandemiebedingt verschobene Konzertprogramm steht in der Reihe vieler im Rahmen von OFFENES PALAIS präsentierter Veranstaltungen mit mittelalterlicher und orientalischer Musik.

EINFÜHRUNGSTEXT: Unsere westliche Musik stammt ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Und so wird unsere Musik des Mittelalters eine Brücke zur orientalischen Musik. Es entsteht ein Dialog zwischen den Kulturen, Vergangenheit und Gegenwart.

Die Musik Hildegards und die des Orients scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Doch stammt unsere westliche Musik auf der Gregorianik ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, d.h. sie haben die gleichen Wurzeln, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Dieser Musik zugrunde liegen Skalen: die Modi im Westen und Makams im Osten. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Dur- und Molltonarten. Zur Zeit Hildegards waren in unseren Breiten noch die Modi und das einstimmige Singen üblich. Der Westen entschied sich später jedoch für einen anderen Weg: die Polyphonie. Der Orient dagegen blieb beim „cantus planus“ und verfeinerte ihn über die Jahrhunderte. Es entstanden komplizierte Skalen mit Achtel, Siebenachtel und Vierteltönen.

Hildegard von Bingen (1098-1179) war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Die rheinische Äbtissin schrieb eine Unmenge an Werken, die sich mit Fragen der Theologie, mit ihren eigenen Visionen, mit der Musik, der Natur und der Medizin befassten. Hildegard war die erste deutsche Naturforscherin, die erste schreibende Ärztin und Heilerin, Komponistin, Malerin, Theologin und Äbtissin der von ihr gegründeten benediktinischen Klöster am Rhein. Als geistige Führerin ihrer Zeit erteilte sie Päpsten und Kaisern Rat und Weisung und scheute auch nicht die Kritik an deren Entscheidungen. „Prophetissa teutonica“ hat man sie schon zu Lebzeiten genannt, eine Sybille vom Rhein. Hildegards kompositorische Fähigkeiten – Schöpfungen aus ihren Visionen – waren seit den späten 1140er Jahren bekannt. Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Autoren stammen, hinterließ Hildegard den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in der Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und die später unter dem Titel „Symphonia armoniae celestium revelationum“ (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden. Im Gesang erkennt Hildegard eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen ist nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit „symphonisch“ gestimmt. Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer „musica mundana“, der Harmonie aller Sphären: „Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.“ Auch des Menschen Seele hat „tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des so schönen Klanges“. Hildegard nun steht mit ihren Kompostionen im 12. Jahrhundert genau an dem europäischen Scheidepunkt zur Mehrstimmigkeit: sie ist eine der letzten die im Cantus Planus komponierten, ihn verfeinerte, erweiterte, neue Klangräume suchte und fand. Sie experimentierte mit den Mittel ihrer Zeit. Hier könnte man sich auch eine europäische Entwicklung vorstellen hin zu ähnlichen Skalen, wie wir sie heute noch in der orientalischen Musik finden.

222. Veranstaltung: Donnerstag, 13. Mai 2021, 11:30 und 16 Uhr – unter freiem Himmel im SONNENHÄUSEL

ZUGANG: von Westen ab Hauptbahnhof der Parkeisenbahn (Lennéstraße) oder von Osten entlang der Herkulesallee. HINWEIS: wir empfehlen für alle Fälle Regencapes (statt Regenschirmen). Sitzkissen sind vorhanden.

„OFFENES PALAIS unterwegs“ im Großen Garten

Mit der Parkbahn nach Palermo – Konzert im Sonnenhäusel

Noemi la Terra – Gesang; Ensemble WIRBELEY: Anna Katharina, Cornelia und Georg Arthur Schumann, Eike Geier-Tautenhahn und Michael Sapp – Akkordeon, Flügelhorn, Waldhorn, Trompete, Stiller Zink, Blockflöten, Schalmei, Perkussion, Gesang

Der Frühling lockt die WIRBELEY in den Großen Garten zu einem Rendezvous mit der temperamentvollen deutsch-sizilianischen Sängerin NOEMI LA TERRA. Wir laden ein zu zwei Konzerten unter freiem Himmel im Freiluftpuppentheater „Sonnenhäusel“, wo das Publikum kn den vorhandenen Bankreihen Platz nimmt. Das Publikum wird wetterbedingt freundlich um eigene Regencapes und eigene Sitzkissen gebeten.

Das Programm führt uns ins alte Italien. Es geht um Minne, Leidenschaft und Ekstase. Stets atmet die Musik auch den Geruch der Straße. Auf dem Weg erklingen verträumte Canzonetten, wilde Tarantellen aus Sizilien, Kalabrien und Apulien und Gassenhauer aus der Zeit des Barock und der Renaissance. In Venedig wird ebenso Station gemacht wie in Bergamo, Genua und sogar auf Korsika.

NOEMI LA TERRA sang bereits 2009 zur 100. Veranstaltung der Reihe OFFENES PALAIS . Sie wuchs in Deutschland auf, entstammt einer sizilianischen Familie und studierte nach dem Abitur u. a. Jazzgesang an der Dresdner Musikhochschule bei Céline Rudolph und Alte Musik bei Ludger Rémy, gefolgt von einem Masterstudiengang an der Folkwang Universität in Essen mit „Musik des Mittelalters“. Zahlreiche Meisterkurse, u. a. bei Benjamin Bagby, Anne Azéma, Monica Mauch und Marco Beasley ergänzten ihr Studium. Noemi sammelte Erfahrungen im Bereich von Gospel, Neuer Musik, Improvisation, traditioneller süditalienischer und arabischer Musik sowie als Mezzosopran in der Alten Musik mit ihren eigenen Projekten und bei renommierten Ensembles wie „Sarband“ (Ltg. Vladimir Ivanoff) und „Ars Choralis Coeln“ (Ltg. Maria Jonas). Zahlreiche Gastspiele führten Noemi La Terra durch Deutschland, Europa bis nach China und New York. 2014 CD-Veröffentlichung der CD „La voce della Passione“ (Raumklang). Projekte und Programme: „Donnafugata“ (Alte Musik), „Zágara“ (Jazz und sizilianische Folklore), „Canti del mare e della terra“ (Sizilianische Weisen und Geschichten), Auftritte als Cantastorie (Geschichtensängerin mit Liedern der Trobadors und Laude aus Florenz und Cortona). 2017 Gründung der Frauenschola „Cantica Sibyllarum“ (mit „Musik auf dem Weg nach Compostela“ und Stücken von Hildegard von Bingen).

223. Veranstaltung: Sonntag, 16. Mai 2021, 11:30 und 16 Uhr – unter freiem Himmel im SONNENHÄUSEL

ZUGANG: von Westen ab Hauptbahnhof der Parkeisenbahn (Lennéstraße) oder von Osten entlang der Herkulesallee. HINWEIS: wir empfehlen für alle Fälle Regencapes (statt Regenschirmen). Sitzkissen sind vorhanden.

„OFFENES PALAIS unterwegs“ im Großen Garten – Konzert im Sonnenhäusel

„Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ – barocke Programmmusik aus Österreich, Deutschland und Italien von Johann Jakob Walter, Marco Uccellini, Johann Heinrich Schmelzer u.a.

Chursächsische Capelle Leipzig: Anne Schumann und Dorothea Vogel – Barockviolinen, Klaus Voigt – Viola da Spalla, Petra Burmann – Gitarre/Theorbe

Der Frühling lockt die Chursächsische Capelle Leipzig in den Großen Garten. Wir laden ein unter freiem Himmel im Freiluftpuppentheater „Sonnenhäusel“ in den vorhandenen Bankreihen Platz zu nehmen – denn wo könnte es schöner für dieses musikalische Treffen sein als am Sonnenhäusel im Park? Doch Vorsicht, das alte Sprichwort sagt: Kräht der Gockel auf dem Mist, so ändert sich das Wetter, oder es bleibt wie’s ist! Das Publikum sollte sich für alle Wetterlagen wappnen (Der Hahn wird bestimmt zu hören sein!). Wetterbedingt wird deshalb freundlich um eigene Regencapes (statt Regenschirmen) und eigene Sitzkissen gebeten.

Das Ensemble tritt in einen Wettstreit mit der zwitschernden Vogelschar, die im Mai im Großen Garten ihre lustigen Lieder anstimmt. Dabei treffen sich die besten Geiger aus Europa: Allen voran der Virtuose Johann Jakob Walter aus Dresden, des Weiteren der einfallsreiche Johann Heinrich Schmelzer aus Österreich und außerdem der feurige Marco Uccellini aus Italien, selbst den Namen der Vögelchen tragend – Uccellini…

Die Chursächsische Capelle Leipzig gründete sich 1994, um auf historischen Instrumenten hauptsächlich vergessene Werke der Barockmusik aufzuführen. Im Stile der alten Hofkapellen wechselt das Ensemble je nach Programm die Besetzung. Hauptwirkungsstätte der Capelle ist das Schloß Schönefeld in Leipzig. Dort stellt das Ensemble im Rahmen der „Schönefeld Schloßkonzerte“ dem Publikum ausgewählte Programme vor. Höhepunkt bildet dabei das alljährliche Sommerfest, wo draußen um das Schloss herum musiziert und gefeiert wird. Die Chursächsische Capelle Leipzig ist regelmäßig im Bosehaus Leipzig, im Händelhaus Halle/S. und bereits mehrfach in der Reihe OFFENES PALAIS zu Gast gewesen. Auch zählen Konzerte beim MDR-Musiksommer, beim Bachfest Leipzig, dem Uckermärkischen Msuiksommer oder bei den Magdeburger Sonntagsmusiken zum Konzertkalender des Ensembles. Seit 1996 nahm die Chursächsische Capelle Leipzig viele CD auf, beginnend mit Ludger Rémy die CD „Kammermusik der Bach-Familie“ und u.a. eine Aufnahme mit Thüringer Kantaten. www.barockmusik-in-leipzig.de

224. Veranstaltung: Freitag, 25. Juni 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Programm in Vorbereitung – Veröffentlichung erfolgt in Kürze

225. Veranstaltung: Freitag, 23. Juli 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen, BWV 988

Jan Katzschke – Cembalo

Dauer am 23.7.2021: jeweils 90 Minuten, ohne Pause.

Zwei Gifpelwerke Bach’scher Tonkunst können unmittelbar mit Dresden in Verbindung gebracht werden: Neben der Messe in h-moll betrifft dies vor allem die ARIA mit verschiedenen Verænderungen vors Clavicimbal mit 2 Manualen BWV 988, gedruckt 1741, die später unter dem Namen  „Goldberg-Variatonen“ bekannt werden sollte.

Johann Gottlieb Goldberg, höchst begabter Schüler J.S. Bachs in Leipzig und Wilhelm Friedemann Bachs in Dresden, stand in Diensten des kunstliebenden und Bach stets wohlgesonnenen Grafen Hermann Carl von Keyserlingk, der als Russischer Gesandter am Dresdner Hof lebte. Einer Anekdote zufolge ließ sich der Graf das Werk von Goldberg in schlaflosen Nächten vorspielen. 

Obwohl der Titel das Werk eindeutig dem Cembalo zuweist, wurde es im 20. Jahrhundert vor allem als bravouröses Virtuosenstück auf dem modernen Klavier bekannt. Der Wahrheitsgehalt der Geschichte um Goldberg und Keyserlingk wurde oft angezweifelt, doch wie dem auch sei: Eigentlich aufschlußreich ist aus Sicht des Dresdner Cembalisten Jan Katzschke ihre indirekte Anspielung auf den Charakter des Werkes, in welchem Virtuosität höchstens Nebenprodukt einer tiefsinnigen Erforschung der Wandlungsfähigkeit von Musik im Allgemeinen ist. Im eher intimen, kontrapunktischen Konversationston gleicht das Spielen und Hören des monumentalen Werkes in der Lesart von Jan Katzschke vielmehr der Lektüre eines überaus kostbaren Lieblingsbuches zu stiller Stunde.

Jan Katzschke konzertiert als Organist, Cembalist und Kammermusiker. Seine CD-Aufnahmen erregten international Aufsehen und erhielten teilweise begehrte Auszeichnungen; so wurde seine Einspielung der Cembalowerke von Matthias Weckmann mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“, die Aufnahme der „Frischen Clavierfrüchte“ von Johann Kuhnau mit „5 Diapason“ bedacht. Der lettische Komponist Rihards Dubra widmete ihm mehrere Werke. Mit seinem Dresdner Ensemble Corona harmonica pflegt er die sächsische Musik rund um Heinrich Schütz, als Leiter des Kammerchor Neustädter Land realisiert er Bach-Kantaten mit Werkeinführungen in seiner Niedersächsischen Heimat. Er ist Dozent der Hochschule für Kirchenmusik Dresden und langjähriges Präsidiumsmitglied der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft Freiberg. Mit Orgelexkursionen, Vorträgen und Publikationen vermittelt er leidenschaftlich die sächsische Orgelkultur.

Geboren 1972 in Neustadt am Rübenberge, studierte Jan Katzschke Cembalo und Kirchenmusik in Hannover bei Lajos Rovatkay, Hans Christoph Becker-Foss und Heinz Hennig. Zu dieser Zeit war er u.a. Probenassistent beim Knabenchor Hannover und Organist der Pauluskirche Hannover. Im Rahmen seiner ersten hauptamtlichen Kantorenstelle in Mulda, Zethau und Helbigsdorf im Erzgebirge initiierte und begleitete er die Restaurierung der historischen Oehme-Orgel (1788) Zethau. Vom sächsischen Freiberg aus begann er anschließend seine freischaffende Konzerttätigkeit als Continuospieler diverser Ensembles für Alte Musik und leitete das Collegium Musicum der TU Bergakademie. Danach lebte er als Mitarbeiter der christlichen Musikervereinigung „Crescendo“ bei Kandern im Südschwarzwald, leitete hier auch die Ev. Kantorei Steinen und betrieb weitere Cembalostudien bei Robert Hill. Zuletzt war er als Kantor am Dresdner Diakonissenhaus 2005-2017 für eine umfangreiche liturgische Arbeit u.a. mit monatlichen Bach-Kantaten und zahlreichen Oratorienaufführungen verantwortlich.

226. Veranstaltung: Freitag, 27. August 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

KI KOLECH AREV – IL DOLCE SUONO – jüdische und weltliche Musik aus dem spätmittelalterlichen Italien

Doron Schleifer (Basel) – Gesang (Sopranus, Altus) und Corina Marti (Basel) –  Clavisimbalum, Blockflöten

Verborgen und nicht beachtet von der christlichen Mehrheitsgesellschaft vollzogen die Musiker an den Synagogen des späten Mittelalters und der Renaissance dort, wo sie zumindest toleriert wurden, die Entwicklungen der christlichen Kunstmusik auf ihre Weise nach.

Italienische polyphone Musik des vierzehnten Jahrhunderts wurde mit einem „schillernden Meteor“ verglichen der plötzlich vor einem dunklen Hintergrund in Flammen aufging und dessen Feuerwerk genauso plötzlich verschwand. Auf Grund der erhaltenen Musik erweist sich das republikanische Florenz als eine der wichtigsten Städte im mittelalterlichen Italien, das Mitte des 14. Jahrhunderts an Bedeutung gewann – mit seinem ganz eigenen Musik- und Textstil (Boccaccio, Soldanieri u.a.) in den Kompositionen von Francesco Landini, Gherardello da Firenze, Don Paolo da Firenze, Laurentius da Firenze und Jacopo da Bologna, um nur einige zu nennen.

In diesem Programm möchten wir die Dichotomie zwischen den beiden verschiedenen – aber immer noch verbundenen – Welten präsentieren: jene der vielen jüdischen Musiker und Tanzmeister, die zu dieser Zeit in Italien lebten. Neben der aufwändigen polyphonen Musik und den auffälligen Tänzen, die sie spielten, sangen, tanzten und unterrichteten, hatten sie auch eine parallele Musikwelt – die der Synagoge und ihrer besonderen Musik, mit einigen der schönsten Piyutim, von Achot Ketanah für die Hohen Feiertage bis Maoz Tzur für Chanukka, die wir in Italien finden können, wobei jedes von ihnen eine eigene italienische Version hat, denn einige dieser Melodien finden wir auch in der weltlichen Musik der gleichen Ära.

“I’ mi son un che per le frasche andando, Vo’ pur cercando dilettosi fiori, per far girlanda a mi de novi odori”. (Ich bin einer, der auf dem Land wandert und immer auf der Suche nach herrlichen Blumen ist, mit denen man Girlanden aus neuen Düften machen kann.)

Doron Schleifer, Countertenor, sang bereits im Alter von fünf Jahren als Solist in der Synagoge des Hebrew Union College, Jerusalem, wo sein Vater, Eliyahu Schleifer, als Kantor tätig war. Er absolvierte an der Schola Cantorum Basiliensis sein Masterstudium.Doron tritt regelmässig als Solist und Ensemblesänger mit Ensembles wie La Morra, La Cetra und Profeti della Quinta auf. Er  unterrichtete  im Early Music Village (Nagano, Japan).Dorons Tätigkeit als Sänger wird ergänzt durch seine Arbeit als Dirigent und Leiter des Basler Synagogenchors. Der Chor der Basler Hauptsynagoge blickt auf eine über 80jährige Geschichte zurück, die als einzige in Europa nicht durch den Holocaust unterbrochen wurde.
Corina Marti ist als Cembalistin und Blockflötistin international bekannt für ihre „ausgesprochen hochstehenden“ und „expressiven“ Interpretationen (Toccata) sowie ihre „makellose“ Technik (Diapason).Ihre umfangreiche Diskographie reicht von Istanpitten und Intavolierungen des 14. Jh. bis zu Kammermusik sowie solistischem Repertoire des Hochbarock und darüber hinaus, was die enorme Bandbreite ihres musikalischen Interesses widerspiegelt.Als Solistin und Kammermusikerin ist sie in ganz Europa, Nord- und Südamerika sowie dem Nahen und Fernen Osten unterwegs. Sie konzertierte mit zahlreichen namhaften Ensembles und Orchestern im Bereich der Alten Musik, darunter Hespèrion XXI, Coro della Radio-televisione Svizzera Italiana und Helsinki Baroque Orchestra und ist Gründungsmitglied sowie Co-Director des preisgekrönten Ensembles für spätmittelalterliche und früh-Renaissance-Musik LaMorra, dessen „unfehlbares Talent, die Aufmerksamkeit des Publikums wachzuhalten“ (Gramophone) international für Furore sorgte.Ihre Forschungsarbeit zu Aspekten des Repertoires und der Rekonstruktion von spätmittelalterlichen und frühen Renaissance-Instrumenten (Tasteninstrumente und Flöten) hat zur Wiederbelebung dieser Instrumente entscheidend beigetragen. Sie bemüht sich auch entschieden um die Ausbildung der nächsten Generation an Künstlern im Bereich der Alten Musik im Rahmen ihrer Lehrtätigkeit an der Schola Cantorum Basiliensis und als Dozentin bei weltweit stattfindenden Masterclasses.

227. Veranstaltung: Freitag, 3. September 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Mittelhalle

Programm in Vorbereitung – Veröffentlichung erfolgt in Kürze

228. Veranstaltung: Freitag, 15. Oktober 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, FESTSAAL

in Kooperation mit dem HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST

Bitte beachten Sie die begrenzte Anzahl an Rollstühlen im Festsaal! Voranmeldung bzw. Vorverkauf erbeten!

Starke Stimmen – starke Frauen. Barbara Strozzi (1619 – 1677): Musik einer fast vergessenen Komponistin.

Dorothee Mields und Hanna Zumsande – Sopran, Ensemble Hamburger Ratsmusik: Ulrich Wedemeier – Laute, Simone Eckert – Viola da gamba, Anke Dennert – Cembalo

Nach den umjubelten und beeindruckenden Konzerten am 8. Oktober 2019 freuen wir uns auf zwei weitere Konzerte mit Dorothee Mields – eine der führenden Interpretinnen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und zuletzt in Dresden am 13. Februar 2021 mit der Sächsischen Staatskapelle aufgetreten – im Palais, diesmal mit einem Programm mit Werken von Barbara Strozzi, zusammen mit Hanna Zumsande und dem Ensemble Hamburger Ratsmusik. Wir sind glücklich über die Weiterführung der Kooperation mit dem HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST.

Der Venezianerin Barbara Strozzi gelang, was keine andere Frau im 17. Jahrhundert von sich behaupten konnte: Sie hat als Komponistin in einer Männerdomäne Karriere gemacht. Persönlichkeiten wie Claudio Monteverdi verkehrten in ihrem Elternhaus und auch ihr Privatleben verlief mit vier unehelichen Kindern unkonventionell. Strozzis überliefertes Schaffen besteht aus mehr als 125 Werken, in denen sie kompositorische Innovationen wagte, deren Kühnheit bis heute fasziniert.

229. Veranstaltung: Freitag, 12. November 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, Festsaal

Bitte beachten Sie die begrenzte Anzahl an Rollstühlen im Festsaal! Voranmeldung erbeten!

Die Jahre im ZooLesung mit Durs Grünbein

Kleine Hymnen – zeitgenössische musikalische Miniaturen

mit Durs Grünbein (Lesung), Anna Katharina Schumann und Thomas Friedlaender (Zinken, Hörner und Trompeten)

Die bereits zwei Mal pandemiebedingt verschobene Lesung steht in der Reihe einiger bereits im Rahmen von OFFENES PALAIS präsentierter zeitgenössischer Schriftsteller. Der Kosmopolit Durs Grünbein, der in Dresden aufgewachsen und mit der Stadt bis heute eng verbunden ist, gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Dichtern der Gegenwart. Sein Wort hat Gewicht. Es soll in einer eigens konzipierten musikalischen Lesung zu Gehör kommen, die in einer Reihe von literarischen Veranstaltungen steht, die das Profil der Veranstaltungsreihe OFFENES PALAIS bereits in der Vergangenheit geschärft haben. Nach den Auftritten von Thomas Rosenlöcher und Christian Lehnert wird das Publikum am 12. November 2021 den mehrfach ausgezeichneten Dichter Durs Grünbein erleben, mit Lesungen aus Werken, die in den letzten Jahren entstanden sind und veröffentlicht wurden. Der Titel „ Die Jahre im Zoo“ nimmt mehrdeutig  Bezug zu Dresden und ganz konkret auch zum Großen Garten. Von hier aus öffnet sich dann der Blick in die Weite, nicht nur ins Elbtal, sondern weit darüber hinaus. Dabei wird sich Durs Grünbein in erster Linie als faszinierend vielschichtiger Schriftsteller präsentieren, jedoch ausdrücklich nicht nur als politischer Mensch, wie er zuletzt nach dem Streitgespräch mit Uwe Tellkamp wahrgenommen worden ist.

Zur literarischen gesellt sich die musikalische Komponente des Programmes – auch wenn die Lesung von Durs Grünbein im Zentrum steht, so schaffen die Verzahnung mit instrumentalen Klängen und der räumliche Rahmen im Palais im Großen Garten eine einzigartige Atmosphäre. Anna Katharina Schumann und Thomas Friedlaender nennen ihre Musik „Kleine Hymnen“. Es sind kurze Miniaturen, welche die Lesung mit immer wieder anders gearteten Improvisationen gliedern und kommentieren – und dadurch Raum bieten zum Nachdenken und Innehalten. Mit ähnlichen Instrumenten, doch mit unterschiedlicher Tonsprache lassen sich die beiden Musiker aufeinander und auf die gelesenen Texte ein und laden ein zur geistigen Kontemplation.

Durs Grünbein wurde 1962 in Dresden geboren. Dichter, Essayautor, Librettist, Übersetzer. Lebt in Berlin und Rom. Studium der Theatergeschichte an der Humboldt Universität Berlin. Sein Werk wurde in viele Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Büchner-Preis 1995, dem Nietzsche-Preis 2004, dem Pasolini-Preis Rom 2006, dem schwedischen Tranströmer-Preis 2012 und dem Zbigniew-Herbert-Preis für International Poetry 2020. Professor für Poetik an der Kunstakademie Düsseldorf, Mitglied des Ordens Pour le mérite sowie mehrerer deutscher Akademien. Zuletzt erschienen im Suhrkamp Verlag Berlin Cyrano oder Die Rückkehr vom Mond. Gedichte, 2014; Die Jahre im Zoo. Prosa, 2015; Zündkerzen. Gedichte, 2017; Aus der Traum (Kartei). Aufsätze und Notate, 2019 und Jenseits der Literatur (Oxford Lectures), 2020.

Bitte beachten Sie die begrenzte Anzahl an Rollstühlen im Festsaal! Voranmeldung erbeten!

229. Veranstaltung: Dienstag, 7. Dezember 2021, 14:30 und 19:30 Uhr, Palais Großer Garten, südlicher Langsaal

Adventskonzert(e)

Programm in Vorbereitung – Veröffentlichung erfolgt in Kürze.

WEITERE GEPLANTE PROGRAMME, noch ohne Termin

„Von Herzens-Trost und Seelen-Heil“

Psalmvertonungen und Kantaten aus Mitteldeutschland u.a. von Johann Schelle, David Pohle, Johann Kuhnau und Gottfried Heinrich Stölzel

David Erler – Konzept und Gesang (Altus), vier Streicher (zwei Geigen + zwei Gamben) und B.c. mit Fagott, Laute und Streichbass, Sebastian Knebel – Orgel und Leitung

»Luce« – Werke aus dem Carlo G. Manuskript sowie von Georg Friedrich Händel, Franz Schubert und Eva Sindichakis

Franz Vitzthum – Countertenor, Johanna Seitz – Harfe, Elisabeth Seitz – Psalterio

Nicht umsonst prägen das Licht (ital. »Luce«) und seine vielfältigen Symbole seit jeher die Kulturgeschichte des Menschen – denn Leben ohne Licht ist undenkbar. Das Thema Licht ist von zentraler Bedeutung in Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Religion; es ist auch und bis heute eine Quelle der Inspiration für Komponisten aller Stilepochen und Kontinente. Der Countertenor Franz Vitzthum hat zusammen mit den in der Alten-Musik-Szene heiß begehrten Schwestern Elisabeth und Johanna Seitz epochen- und genreübergreifend Werke für eine »erhellende« Stunde zusammengestellt. Für seine glockenreine Stimme wird Vitzthum weithin enthusiastisch gefeiert – sicher auch im Palais Großer Garten!

 

 

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