Programm

Unsere künftigen Veranstaltungen im Palais Großer Garten finden Sie hier nachfolgend aufgelistet. Alle bisherigen Programme der vergangenen Jahre finden Sie im Menüpunkt „20 Jahre“ unter „Archiv“.

220. Veranstaltung: Dienstag, 6. Oktober 2020, 14:30 und 19:30 Uhr,

Palais Großer Garten, Mittelhalle

in Kooperation mit dem HEINRICH SCHÜTZ MUSIKFEST

Stylus Fantasticus – Eine Huldigung der musikalischen Phantasie 

Werke von Alessandro Stradella, Giovanni Antonio Pandolfi Mealli, Antonio Bertali, Johann Heinrich Schmelzer, Dietrich Buxtehude und John Jenkins

Ensemble Stylus Fantasticus: Elise Dupont – Violine; Robert Smith – Viola da gamba; Pieter-Jan Belder – Cembalo

„Der Stylus phantasticus ist die Kompositionsmethode mit der größten Freiheit, schöpferisches Talent zu entfalten, frei von Beschränkungen durch Text oder festgelegte Harmonien. Musikalische Formen dieser Gattung sind Phantasien, Ricercaren, Toccaten und Sonaten.“ – So versuchte der deutsche Universalgelehrte Athanasius Kircher in seiner umfassenden Abhandlung Musurgia universale von 1650 jenen phantastisch-fantastischen modernen Stil in der Instrumentalmusik seiner Zeit in Worte zu fassen. Wenn nun das auf historischen Instrumenten musizierende Ensemble Fantasticus aufspielt, so gleicht dies einem „fantastischen“ Schöpfungsakt, der jahrhundertealter Musik eine Unmittelbarkeit und Relevanz für die heutigen Hörer verleiht, die einfach nur begeistert. Vielleicht liegt das Geheimnis darin, dass die drei von Fantasticus fest daran glauben, zusammen mit ihrem Publikum jedes Konzert zu einer gemeinsamen Entdeckungsreise machen zu können, über höchste Gipfel an Intensität und Intimität hinweg. Die Lust, Geschichten zu erzählen, paart sich dabei mit einer ausgezeichneten Beherrschung ihrer Instrumente und einer großen Vertrautheit mit eben dem – Stylus phantasticus.

221. Veranstaltung, Dienstag, 10. November 2020, 14:30 und 19:30 Uhr,

Palais Großer Garten, Mittelhalle  

Von Bingen nach Bagdad – die Musik der Hildegard von Bingen im Dialog mit der orientalischen Welt

Maria Jonas (Köln) – Gesang, Shutibox

Bassem Hawar – Djoze (irakische Fidel)

Thomas Friedlaender – Schlagwerk, Glocken

Die Musik Hildegards und die des Orients scheinen zunächst nichts miteinander zu tun zu haben. Doch stammt unsere westliche Musik auf der Gregorianik ebenso aus dem Mittelmeerraum wie die orientalische, d.h. sie haben die gleichen Wurzeln, was in den ältesten Gregorianischen Gesängen auch durchaus noch hörbar ist. Dieser Musik zugrunde liegen Skalen: die Modi im Westen und Makams im Osten. Aus ihnen entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte die Dur- und Molltonarten. Zur Zeit Hildegards waren in unseren Breiten noch die Modi und das einstimmige Singen üblich. Der Westen entschied sich später jedoch für einen anderen Weg: die Polyphonie. Der Orient dagegen blieb beim „cantus planus“ und verfeinerte ihn über die Jahrhunderte. Es entstanden komplizierte Skalen mit Achtel, Siebenachtel und Vierteltönen.

Hildegard (1098-1179) von Bingen war eine der außergewöhnlichsten Frauen ihrer Zeit. Die rheinische Äbtissin schrieb eine Unmenge an Werken, die sich mit Fragen der Theologie, mit ihren eigenen Visionen, mit der Musik, der Natur und der Medizin befassten. Hildegard war die erste deutsche Naturforscherin, die erste schreibende Ärztin und Heilerin, Komponistin, Malerin, Theologin und Äbtissin der von ihr gegründeten benediktinischen Klöster am Rhein. Als geistige Führerin ihrer Zeit erteilte sie Päpsten und Kaisern Rat und Weisung und scheute auch nicht die Kritik an deren Entscheidungen. „Prophetissa teutonica“ hat man sie schon zu Lebzeiten genannt, eine Sybille vom Rhein. Hildegards kompositorische Fähigkeiten – Schöpfungen aus ihren Visionen – waren seit den späten 1140er Jahren bekannt. Im 12. Jahrhundert, einer Zeit, in der die meisten Werke von anonymen Autoren stammen, hinterließ Hildegard den größten Bestand eindeutig zuschreibbarer Musik: liturgische Gesänge, die in der Klostergemeinschaft Teil des täglichen Stundengebetes waren und die später unter dem Titel „Symphonia armoniae celestium revelationum“ (Symphonie der Harmonie himmlischer Offenbarung) zu einem Zyklus zusammengefasst wurden.

Im Gesang erkennt Hildegard eine Möglichkeit, die seelischen und emotionalen Kräfte des Menschen zu wecken und auf sie einzuwirken, denn die Seele des Menschen ist nach göttlichem Abbild klingend gestaltet und damit „symphonisch“ gestimmt. Sie ist Abbild des gewaltigen Kosmos, einer „musica mundana“, der Harmonie aller Sphären: „Und so hat jedes Element seinen eigenen Klang, einen Urklang aus der Ordnung Gottes.“ Auch des Menschen Seele hat „tief in sich diesen schön geordneten Urklang, und sie ist selber die Melodie des so schönen Klanges“.

Hildegard nun steht mit ihren Kompostionen im 12. Jahrhundert genau an dem europäischen Scheidepunkt zur Mehrstimmigkeit: sie ist eine der letzten die im Cantus Planus komponierten, ihn verfeinerte, erweiterte, neue Klangräume suchte und fand. Sie experimentierte mit den Mittel ihrer Zeit. Hier könnte man sich auch eine europäische Entwicklung vorstellen hin zu ähnlichen Skalen, wie wir sie heute noch in der orientalischen Musik finden.

So wird die Musik des Mittelalters eine Brücke zur orientalischen Musik. Es entsteht dabei ein Dialog nicht nur zwischen den Kulturen sondern auch zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die stimmungsvolle Mittelhalle mit ihrem fast „sakralen“ Erscheinungsbild und der halligen aber trotzdem erstaunlich transparenten Akustik ist dafür der passende Rahmen.

Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten!

WIE GEHT ES WEITER?

Das Staatsschauspiel 2020 wird voraussichtlich keine Vorstellungen im Palais durchführen – deshalb planen wir (NOCH UNTER VORBEHALT) zunächst die

222. Veranstaltung, Freitag, 4. Dezember 2020, 14:30 und 19:30 Uhr, im Festsaal.

Weitere Termine sind in Vorbereitung. Vielen Dank für Ihr Verständnis dafür, dass wir auf Grund der derzeitigen Situation nur „auf Sicht“ planen können.

 

 

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