Programm

VORSCHAU

217. Veranstaltung: Freitag, 24. Juli 2020, 14:30 und 19:30 Uhr

BACH – der Violinist

Sonaten und Partiten von Westhoff, Pisendel und J.S.Bach für Violine solo

Anne Schumann – Barockvioline

Erste Sonate für Violine solo: Adagio (Autograph 1720) Quelle: Wikipedia

Wie kann ein Johann Sebastian Bach, den alle Welt wegen seiner wunderbaren Kirchenmusik schätzt, Musik für eine Geige schreiben, die aus den vier Saiten dieses Streichinstrumentes volle Orgelklänge, mehrstimmige Tänze, ja sogar Fugen und Choralbearbeitungen holt? Wer inspirierte ihn?

Es gerät in Vergessenheit, dass sie für einen festlich-höfischen Rahmen, nämlich für den anhaltinischen Fürstenhof in Köthen bestimmt waren. Die Aufführungen im Palais kommen dem ursprünglichen Bestimmungsort daher recht nahe. Viele Gründe sprechen dafür, dass Bach sie im Umfeld der vermutlich 1720 fertig gestellten sechs Suiten für Violoncello komponiert hat. Demnach könnten Zuhörer in diesem Jahr ein 300jähriges Jubiläum feiern – ein Jubiläum, das allerdings nicht nur dem Alter, sondern vor allem der Zeitlosigkeit dieser Meisterwerke gilt.

In unserem Programm erklingen drei verschiedene Werke für Violine solo. Zum Beginn eine Suite von Johann Paul von Westhoff (geboren 1656 in Dresden; begraben 17. April 1705 in Weimar). Er wirkte lange an der Dresdner Hofkapelle. Am Ende seines Lebens war er am Hof in Weimar angestellt. Bach wirkte schon 1703 vor seiner Anstellung am Hof in Weimar. Es ist sehr stark anzunehmen, dass er mit Westhoff dort Kontakt hatte. 1708 zog er dann mit seiner schwangeren Gattin in das Haus in Weimar, in dem Westhoff gewohnt hatte. Westhoff nimmt beim Komponieren keine Rücksicht auf eventuelle geigerische Schwierigkeiten, er komponiert vierstimmig und sehr anspruchsvoll. Das zeigt, was für ein besonders talentierter Geiger und wagehalsiger Komponist er war. Das muss Bach beeindruckt haben.

Ein weiterer sehr virtuoser Geiger dieser Zeit war der 1687 geborene Johann Georg Pisendel. 1709 verbrachte dieser einige Zeit in Weimar. Vielleicht haben beide dort die Werke Westhoffs studiert. Pisendel komponiert seine Sonate für Violine solo einige Jahre später, vielleicht schon bevor Bach seine Partiten schreibt. 1712 beginnt Pisendel seinen Dienst in der Dresdner Hofkapelle. Hier schließt sich der Kreis zu Westhoff, der etliche Jahre zuvor auf Grund des Übertritts August des Straken zum Katholizismus aus Dresden weggegangen war.

Johann Sebastian Bach, der bisher Kirchenmusiker war, wurde 1717 Kapellmeister in Köthen und komponierte dort erstmalig für einen Hof, d.h. auch sehr viele instrumentale Werke. Ob nun aber die anspruchsvollen Sonaten und Partiten für einen bestimmten Zweck oder gar den Fürsten selbst geschrieben wurden, ist nicht zu belegen. Vielmehr wird angenommen, dass Bach sich selbst herausforderte, indem er für nur „vier Saiten“ Werke schuf, die durchaus mit der Musik für größere Besetzungen oder Tasten konkurieren können. Die Partita d-moll fällt durch ihre große Chaconne am Ende der Tanzfolge besonders auf. Als Bach 1720 nach einer zweimonatigen Reise des Hofs aus Karlsbad zurückkehrte, war seine Gattin Maria Barbara nach kurzer Krankheit gestorben. Die Partita in d-moll könnte eine Art musikalischer Grabstein für seine geliebte Maria Barbara sein.

218. Veranstaltung: Freitag, 28. August 2020, 14:30 und 19:30 Uhr

Mittelhalle – eine Raummusik für Laute, Zink und Schlagwerk

Werke von Josquin des Près, Ludwig Senfl, Orlando di Lasso, Jaques Arcadelt u.a.

Andreas Arend – Laute, Thomas Friedlaender – Zink und Schlagwerk

Laut ist sie ja nicht, die Laute. Dafür hat sie aber eine einzigartige, feinsinnige Musik hervorgebracht. Im Mittelalter nach Europa eingeführt, schwingt sich die Lautenmusik in der Renaissance oder frühen Neuzeit zum Höhenflug auf. Ihre Blüte markiert den Beginn der reinen Instrumentalmusik in Europa. Auf dieses Repertoire zielt das Programm ab. 

Andreas Arends Interpretationen der Intavolierungen von geistlichen Motetten, weltlichen Chansons, Madrigalen und Liedern, Fantasien und Tänze verzaubern besonders, wenn man sie in entsprechend charismatischen Räumen erlebt. Ort und Zeit des Jetzt durchdringen sich mit denen vergangender Zeiten, und wenn das Ohr sich auf diese Verschmelzung konzentriert, scheint die leise Laute im Klang zu wachsen.

Thomas Friedlaender inszeniert sie zudem akustisch, wenn er punktuell, oder im Duo mit dem Lautenisten, alte Musik spielend, aber überwiegend frei improvisierend, die klanglichen Möglichkeiten der Mittelhalle des Palais Großer Garten auslotet. So entsteht im Wechsel- und Zusammenspiel der beiden Musiker mit dem Raum ein beinahe traumartiges musikalisches Gebilde. Es birgt kostbare Hörerlebnisse für Kenner wie Laien, vom tranceerzeugenden Lautenspiel über die Klänge der Rahmentrommeln bis zum Gesang des Zinken. Man hört Vokalmusiken der berühmtesten Komponisten ihrer Zeit, wie etwa Josquin des Près oder Orlando di Lasso. Von damals beinahe ebenso berühmten Meistern der Lautenkunst wurden sie intavoliert, das heisst für das Instrument arrangiert und dabei „coloriert“ – mit virtuosen Verzierungen durchsetzt. Die Verzierungstechnik hat man auch auf Melodiesintrumente wie den Zink angewandt. Das Schlagwerk setzt dazu Akzente in mannigfachen Farben und Stärken.

in Vorbereitung: 219. Veranstaltung: Sonnabend, 12. September 2020, 15 und 17 Uhr

Christophorus-Kirche Dresden-Wilschdorf „OFFENES PALAIS unterwegs“

Änderungen sind nicht beabsichtigt aber vorbehalten!

 

 

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