Nutzungsdiskussion

höchster Schutzstatus

Das Palais Großer Garten genießt höchsten Schutzstatus.

unsere Erfahrungen

Wir verweisen mit über 220 doppelten Veranstaltungen innerhalb von 20 Jahren auf unsere künstlerischen und logistischen Erfahrungen – niemand sonst kennt das Palais Großer Garten aus der Nutzungsperspektive heraus so genau wie wir.

Unserer Meinung nach sollte die angestrebte denkmalpflegerische Wiederherstellung des Festsaales auf der Grundlage der bauarchäologischen Forschungen mit Zurückhaltung und hochsensiebel eine „edle“, denkmalgerechte Fassung zum Ziel haben, wodurch der festliche Charakter des Saales wieder erlebbar ist, zugleich die überkommenen Wunden des Krieges sichtbar bleiben und zudem die Möglichkeiten einer angemessen wirtschaftliche Nutzung miteinander versöhnt sind.

vielfältige Nutzungsmöglichkeiten im Erdgeschoss

Die Vielfalt des Baus zeigt sich nicht nur an der prachtvollen Fassade und in der Festsaaletage sondern auch im Erdgeschoss, in welchem die Veranstaltungsreihe überwiegend stattfindet: zwei sich herrlich zum Garten öffnende Langsäle auf der Nord- und Südseite (110 qm) mit jeweils rechts und links seitlich angeordneten Eckkabinette sind durch die sogenannte Mittelhalle (320 qm) verbunden, die sich in ihrem Erscheinungsbild und ihrer „sakralen“ Akustik von den anderen Räumen grundsätzlich unterscheidet. Die stimmungsvollen Raumfolgen bieten somit vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Dies stellte sich besonders während der Corona-Pandemie eindrucksvoll als enormer Vorteil für die Wiederaufnahme und Weiterbetrieb der Reihe heraus.

Das Palais muß in den beiden Hauptetagen ein offenes, flexibel nutzbares Gebäude bleiben – ohne zerstörende Eingriffe in die original überkommene Bausubstanz; ohne starre, fest installierte Publikums-Garderoben und Möblierung; ohne „modische“ Glaswände; ohne Dauer-Gastronomie im Palais mit Lagerräumen, Küchentrakt und zusätzlichen Verkehr am Palais – derartige Überlegungen musste als unangemessen zurückgewiesen werden!

Der Konflikt mit dem „Förderverein Palais Großer Garten e.V.“

entzündete sich am vom Verein in Auftrag gegebenen Nutzungskonzept des Architekten Dr. Pfau, welches während eines „Kolloquiums“ am 28.3.2018 vom damaligen Vorstand zunächst beschlossen wurde. Vorherige, von uns sachlich vorgetragene Bedenken und Kritik, wurden zunächst als „berechtigt“ bezeichnet und scheinbar gehört – ab 28.3.2018 wurden sie ignoriert. Das Konzept beinhaltete irreversible Eingriffe in die Bausubstanz: eine doppelläufige Treppe sollte demnach von der Mittelhalle durch die Gewölbe hindurch direkt in Festsaal geführt werden. In der Südfront im EG wurde eine „Gaststätte“ vorgesehen. Der Vorstand zog auf unsere faktenorientierten Proteste hin diesen umstrittenen Beschluss zurück. Bedauerlicherweise hält der Verein bis zum heutigen Tag daran fest, in der südlichen Front im Erdgeschoß sein gastronomisches Vorhaben, nunmehr „Café“ genannt, zu befürworten. Er missachtet damit seine Satzungsziele und wertet satzungswidrig den kommerziellen Zweck „Café“ höher als das Satzungsziel „künstlerische und kulturelle Zwecke“. Die vom Vorstand ins Spiel gebrachte Alternative für OFFENES PALAIS und andere Veranstaltungsformen, in die kalten Räume auf der Nordseite zu wechseln, ist von uns aus guten Gründen als unrealistisch zurückgewiesen worden – eine Fußbodenheizung zerstört dort die zweifarbigen, originalen Sandsteinplatten (teilweise bereits jetzt zersplittert), ist energetisch unrentabel und zudem zu teuer im Unterhalt. Umgekehrt könnte gesagt werden, dass ein Café genau so gut auch auf der Nordseite etabliert werden könnte, was aber nicht in Erwägung gezogen wurde und Ausdruck für das unflexibel-starre Verhalten ist, was hinter dem Vorhaben steht.

irreversibler Eingriff und satzungswidriges Zerstörungswerk

Nachfolgend wird die Entwurfsskizze des Untergeschosses der „Variante 4“ präsentiert, die dem damaligen Vorstand des Förderverein zur Verfügung stand (die Karte ist nach Süden ausgerichtet):

In der Mittelhalle ist im nördlichsten Joch die doppelläufige Treppe eingezeichnet, im Joch davor ein Kassentresen und in den beiden südlichen Jochen die Garderobenanlage. Eingang und Ausgang sollten demnach direkt über den beiden repräsentativen Tore geführt werden. Die erhaltenen Malereien über den beiden Toren in den geretteten Gewölben (die älteste erhaltene baugebundene Malerei in Dresden) wären von der Mittelhalle durch Glaswände abgetrennt worden um jeweils einen Windfang zu ermöglichen. Der Raumeindruck wäre durch alle diese unflexiblen Möblierungen erheblich gestört und die denkmalgeschützte Bausubstanz durch die Treppe irreversibel zerstört worden. Dem Gesamtkonzept des Parks, der Ausrichtung der Hauptachsen und Weiterführung im Palais wäre dies zuwider gelaufen (siehe unter Dürre, Stefan: Zwölf Kaiser, ein Kurfürst und das Magische Quadrat. Das Aufstellungssystem der Kaiserbüsten am Palais im Großen Garten in Dresden und dessen Zusammenhang mit der Gesamtanlage. In: Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Jahrbuch 2016, S. 52-59, Dresden 2017).

Eine Umsetzung dieser Pläne hätte die vorhandene Nutzungflexibiltät massiv eingeschränkt. Somit wären die beiden wichtigsten Satzungsziele missachtet worden. Die erschreckende Inkompetenz und das mangelhafte Urteilsvermögen des alten Vorstandes wurden offenbar. Bis heute besteht im Förderverein Palais Großer Garten e.V. keinerlei Bereitschaft darüber zu reflektieren. Im Rechenschaftsbericht des scheiden Vorstandes tauchte der Konflikt am 31.10.2020 nicht auf.

In die von der Mitgliederversammlung im Oktober 2018 beschlossene „externe Fachkommission“ zur Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes – ohne Kenntnis des Eigentümers Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten Sachsen gGmbH (SBG) – tagte bis Oktober 2020 lediglich zwei Mal. Nichts inhaltlich relevantes ist in diesen zwei Jahren herausgekommen. Der Mitgliederversammlung ist dieser Fakt am 31.10.2020 lediglich in einem kurzen Satz vom scheidenden Vorsitzenden genannt wurden. Es erfolgte keinerlei Reaktion von den Mitgliedern. Stattdessen wurde der Chef von SBG, Dr. Christian Striefler, vom scheidenden Vorsitzenden als „Verhinderer“ benannt. Er schmiss damit aus dem eigenen Glashaus heraus mit Steinen nach einem vermeintlichen Sündenbock.

Es muß darauf hingewiesen werden, dass sich der Förderverein im Jahr 2000 im Zuge der ersten Nutzungsdikussion gründete, als es auch darum ging eine Nutzung des Palais als archäologisches Landesmuseum mit irreversiblen Eingriffen in die originale Bausubstanz zu verhindern.

Alle diese Fakten und Tatschen anzusprechen ist um so bedauerlicher, weil sich der Verein in den vielen Jahren zuvor mit großartigem ehrenamtlichen Engagement außerordentliche Verdienste für das Palais erworben hatte, die hier nicht klein geredet werden sollen.

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