Palais

Das Palais im Großen Garten zu Dresden ist der erste bedeutende Barockbau (1676–84) im damaligen Kursachsen und kunstgeschichtlich von allererstem Rang. Als ein Markstein des gesamtdeutschen Barock besitzt das Haus allerhöchsten Schutzstatus. 1945 ausgebrannt, wurde es in den Jahrzehnten nach dem Krieg bis heute in seiner äußeren Hülle weitestgehend wiederhergestellt. Eigentümer ist seit 1993 der Freistaat Sachsen.

Das Palais ist längst als Schlüsselbau des sächsischen Barock, Zentrum eines fürstlichen Gartenkonzeptes und Ort rauschender Festlichkeiten bekannt. Umfassende bauarchäologische Untersuchungen und Quellenforschungen der vergangenen Jahre vermochten das gängige Bild in wesentlichen Punkten zu ergänzen und auch zu korrigieren. Genaue Beobachtungen lieferten Belege für einen faszinierenden Bauprozess mit zahlreichen Planänderungen, die letztlich auch neue Erkenntnisse zu Raumkonzept, Nutzung und zeitgenössischem Verständnis von Architektur und Ausstattung ermöglichen.

Der Große Garten mit dem Palais im Mittelpunkt – Blick von Osten in Richtung Innenstadt

Das Palais liegt im Großen Garten im Kreuzungspunkt der beiden Hauptalleen: der Schnittpunkt der Achsen trifft exakt auf den Mittelpunktstein im Erdgeschoß. Der Bau ist die prachtvolle Steigerung des Großen Gartens, dessen Höhepunkt der Festsaal war und möglicherweise wieder sein könnte. Die Wirkung der Alleen wurde ideell u.a. durch das Magische Quadrat gesteigert, welches die Kaiser-Büsten des Mezzaningeschosses herausbilden und in der allegorischen Darstellung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg III. auf dem im Krieg zerstörten Deckengemälde im Festsaal kulminierte. Die Hauptallee ist vermutlich auf den Sonnenstand am 20. Juni ausgerichtet, dem Geburtstag Johann Georg III.: an diesem Tag fällt das Licht der untergehenden Sonne perfekt auf den Mittelpunktstein durch das geöffnete Tor im Erdgeschoß.

siehe unter Dürre, Stefan: Zwölf Kaiser, ein Kurfürst und das Magische Quadrat. Das Aufstellungssystem der Kaiserbüsten am Palais im Großen Garten in Dresden und dessen Zusammenhang mit der Gesamtanlage.
In: Mitteilungen des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Jahrbuch 2016, S. 52-59, Dresden 2017

Im September 1719 fand in dem als Lusthaus konzipierten Bau das Venusfest, das bedeutendste Fest statt, welches der Große Garten jemals erlebte. Es fand im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten zwischen dem späteren König Friedrich August II. mit der habsburgischen Kaisertochter Maria Josepha von Österreich statt und war Teil der Planetenfeste.

Ansicht des Palais zum Venusfest im September 1719

Nutzungsvielfalt

Die Vielfalt des Baus zeigt sich nicht nur an der prachtvollen Fassade und in der Festsaaletage sondern auch im Erdgeschoss, in welchem die Veranstaltungsreihe überwiegend stattfindet: zwei sich herrlich zum Garten öffnende Säle, jeweils auf der Nord- und der Südseite (110 qm), mit vier seitlich zugeordneten Eckkabinetten, werden dort durch die sogenannte Mittelhalle (320 qm) verbunden, die sich mit ihrem Erscheinungsbild und ihrer „sakralen“ Akustik von den anderen Räumen grundsätzlich unterscheidet. Die Raumfolgen bieten somit vielfältige und flexible Nutzungsmöglichkeiten. Diese Flexibilität ermöglicht einen angemessenen wirtschaftlichen Betrieb und bewährte sich ganz besonders während der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie: die Umsetzung der Hygienekonzepte könnt nur deswegen abgesichert werden.

Konzert mit La Mouvance 2013 im südlichen Langsaal

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